Ricciardo gegen Vettel: Das Duell um Platz drei

, 24.07.2016

Red Bull vor Ferrari: Sebastian Vettel greift über die Strategie an, doch am Ende lacht Daniel Ricciardo vom Hungaroring-Podest - Die Analyse des Duells um Platz drei

In den letzten Runden wurde es beim Grand Prix von Ungarn noch einmal spannend. Sebastian Vettel (Ferrari) holte in großen Schritten auf Daniel Ricciardo (Red Bull) auf. Bis zum Zielstrich wurde um den dritten Platz gekämpft. Vettel konnte schließlich keinen richtigen Angriff starten, somit durfte sich der Australier den Pokal für Rang drei abholen. Red Bull wollte auf dem Hungaroring eigentlich Mercedes unter Druck setzen.

Beim Start setzte sich Ricciardo auf die Außenseite und überholte Nico Rosberg, doch der Deutsche konterte in Kurve 2. Vettel kam sogar noch besser als Ricciardo von der Linie weg, doch in den ersten Kurven war kein Platz und der Ferrari blieb hinter beiden Red Bull Fünfter. "Mit einem besseren Startplatz und einer besseren ersten Runde wäre das Podium kein Problem gewesen", denkt Vettel im Anschluss an das Rennen an das nicht optimale Qualifying.

Von der dritten Startreihe aus musste Ferrari etwas über die Strategie probieren. In Runde 14 kam Vettel als erster Topfahrer an die Box. In Runde 15 stoppte Ricciardo und in Umlauf 16 Verstappen. Der Undercut funktionierte und Vettel überholte Verstappen. "Verstappen ist am Anfang zu nah an Ricciardo rangefahren und hat dadurch seine Vorderreifen ruiniert", erklärt Helmut Marko. "Dadurch ist es zu dem Undercut gekommen. Wir haben das dann zum Schluss wieder gut aufgeholt."

Für Vettel ging die Taktik perfekt auf: "Das schlechter positionierte Auto aus deren Sicht wird ein wenig zum Opfer. Man kann nicht mit beiden Autos gleichzeitig an die Box kommen. Man kann es schon, aber es kostet sehr viel Zeit. Somit musste Max ins Gras beißen und den Platz aufgeben. Das hat natürlich uns geholfen", grinst der Deutsche, als er diese Situation schildert. Trotzdem war es Ricciardo, der dem Mercedes-Duo an der Spitze immer näher kam.

Ricciardo jagt plötzlich die Silberpfeile

Bei Rennhalbzeit gab es eine Phase, in der Ricciardo scheinbar Druck auf die Silberpfeile ausüben konnte. "Beim zweiten Stint waren wir wirklich stark unterwegs. Mein Renningenieur hat mir die Mercedes-Rundenzeiten durchgesagt und ich war ein Zehntel pro Runde schneller. Ich sah auch, dass ich näherkam", strahlt Ricciardo über diese Phase des Rennens. Doch Red Bull konnte Mercedes nur kurz unter Druck setzen.

Am Kommandostand war den Strategen klar, dass es aus eigener Kraft nicht zum Sieg reichen würde. Marko sagt: "Wenn wir das Tempo weitergegangen wären, hätten wir mit zwei Stopps nicht das Rennen beenden können. Also haben wir es sein lassen. Dann mussten wir haushalten, um den dritten Platz nach Hause zu fahren." Nach Ricciardos zweitem Stopp drehte das Mercedes-Duo auf und Red Bull hatte keine Chance mehr. "Aber schon zu hören, dass ich zeitweise schneller als sie war, zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht", lacht Ricciardo. "Das war ein Motivationsschub."

Red Bull konzentrierte sich dann wieder nach hinten auf Vettel, wie Teamchef Christian Horner erklärt: "Wir wollten nicht selbst von Sebastian mit Undercut überholt werden, also sind wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt, den wir für sicher gehalten haben, reingekommen.", erklärt er Ricciardos zweiten Stopp in Runde 33. "Es hat funktioniert. Daniel hat die Reifen gut gemanagt und hat sichergestellt, dass er trotz acht Runden älterer Reifen noch genug übrig hat, um sich gegen Sebastian zu verteidigen. Das war großartig von ihm."

Vettel greift in der Schlussphase an

Vettel kam erst acht Runden später an die Box und montierte ebenfalls wieder Soft-Reifen. "Ich habe mich im zweiten Stint etwas zurückfallen lassen und wollte zum Schluss wieder ranfahren. Ich war überrascht, dass er so früh an die Box gefahren ist, aber seine Reifen haben gehalten", sagt Vettel zu dieser Situation. Mit frischeren Reifen holte Vettel immer mehr auf und klebte in den letzten Runden im Heck des Red Bull.

Mit Ausnahme eines Verbremsers hatte Ricciardo alles unter Kontrolle. Hätte Vettel noch eine Chance auf ein Überholmanöver gesehen? "Es ist unheimlich schwer zu sagen. Wenn man direkt dahinter ist, verliert man unheimlich viel Grip. Mit freier Fahrt hätte ich zum Schluss eine Sekunde schneller fahren können", schätzt der viermalige Weltmeister. "Die Chance wäre gewesen, ihn weiter in einen Fehler zu hetzen. Wäre der gekommen, hätte was passieren können."

Nach 70 Runden fuhr Ricciardo 23,5 Sekunden hinter Sieger Hamilton als Dritter über die Ziellinie. Vettel folgte knapp dahinter. Damit überholte Ricciardo in der Fahrer-WM Kimi Räikkönen und ist nun Dritter. Bei den Konstrukteuren ist Red Bull nur noch einen Punkt hinter Ferrari. Ist Red Bull jetzt eindeutig die zweite Kraft? "Wir haben unsere Mission heute erfüllt", nickt Horner zufrieden. "Beide Fahrer sind ein sehr sauberes Rennen gefahren und haben das Maximum herausgeholt. Mercedes war in einer eigenen Liga."

Persönlich wichtiges Ergebnis für Ricciardo

Vettel glaubt aber nicht, dass Red Bull eindeutig an Ferrari vorbeigezogen ist. Mit einem besseren Qualifying hätte auch er auf dem Podium stehen können. "Positiv ist, dass der Speed da ist. Wir müssen uns nicht verstecken", betont er selbstbewusst. "Heute war es besser als vor zwei Wochen. Das Auto funktioniert gut und es liegt an uns, alles herauszuholen. Hockenheim ist eine spezielle Strecke, aber ich gehe davon aus, dass wir auch dort konkurrenzfähig sein können."

Auf der anderen Seite war es für Ricciardo nach Monaco der zweite Podestplatz der Saison. Ein wichtiges Ergebnis, da er in den vergangenen Wochen oft von seinem Teamkollegen Verstappen überstrahlt worden war. "Für mich persönlich brauchte ich einen guten Sonntag. Seit Barcelona, Monaco hatte ich das Gefühl, dass die Sonntage aus verschiedenen Gründen nicht sehr zufriedenstellend waren. Deshalb war es für mich wichtig, ein starkes Wochenende zu haben. Das hat hier mit einem Podestplatz geklappt."

"Der dritte Platz ist das Sahnehäubchen. Für mich war aber wichtig, dass ich das Rennen mit einem Lächeln beende. Damit wir als Team alles aus dem Auto herausholen und unser Bestes geben. In den vergangenen vier, fünf Rennen hatte ich nicht das Gefühl, dass wir das Beste daraus gemacht haben. Das ist heute die große Befriedigung. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man auf dem Podium steht", strahlt der neue WM-Dritter übers ganze Gesicht.

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