Ross Brawn erbittet Zeit: "Können sehr wenig unternehmen"

, 26.01.2017

Ross Brawn und Co. würden die Formel 1 nach der Absetzung von Bernie Ecclestone gerne umkrempeln - Aktuell sind ihnen dabei allerdings noch die Hände gebunden...

Ross Brawn hat seine Arbeit als neuer Sportchef der Formel 1 noch gar nicht richtig aufgenommen, da steht bereits ein ganzer Haufen potenzieller weitreichender Änderungen in der Königsklasse im Raum. Vom Aus der Strategiegruppe war bereits die Rede, dem Ende der Bonuszahlungen für die Topteams, und auch eine Budgetobergrenze steht - wieder einmal - im Raum. Viele Fans würden die Änderungen mit offenen Armen empfangen, doch Fakt ist, dass diese einige Zeit brauchen werden.

"In Bezug auf die kommerziellen Verträge können wir sehr wenig unternehmen", bremst Brawn im Gespräch mit 'auto motor und sport' die Erwartungen. Hintergrund: Die Einnahmenverteilung in der Formel 1 ist bis 2020 vertraglich geregelt. Bis zu diesem Zeitpunkt können Brawn und Liberty also ohnehin nicht an den zugesicherten Bonuszahlungen für die Topteams rütteln.

2016 erhielt beispielsweise alleine Ferrari einen Bonus in Höhe von 105 Millionen US-Dollar - leistungsunabhängig wohlgemerkt. Red Bull (74 Millionen), Mercedes (74), McLaren (32) und Williams (10) erhielten ebenfalls Bonuszahlungen. "Die Geldverteilung und Entscheidungsprozesse sind festgeschrieben", erklärt Brawn. Mit anderen Worten: In den Bereichen, in denen Liberty gerne etwas ändern würde, sind ihnen die Hände aktuell noch gebunden.

"Der Regelfindungsprozess ist für die nächsten Jahre festgeschrieben. Da wird es keine Alleingänge geben. Woran wir arbeiten müssen ist die Frage, ob dieser Prozess noch gut genug ist, und ob wir uns für das neue Abkommen etwas anderes überlegen", grübelt der 62-Jährige. Allerdings darf durchaus bezweifelt werden, dass die Topteams ihr Privilegien einfach so hergeben werden.

"Agieren statt reagieren"

"Ich erhoffe mir aber auch hier, dass wir als Rechteinhaber in Zukunft früher über Regeländerungen nachdenken und uns mehr in die Zusammenarbeit mit den Teams und der FIA einbringen. Jede Gruppe in der Formel 1 hat seine Prioritäten. Die Teams wollen Rennen gewinnen. Die FIA will eine gesunde Formel 1 haben und den Sport fair und ordentlich regieren", erklärt Brawn.

"Unsere Priorität muss es sein, den Sport so unterhaltsam und attraktiv wie möglich für die Zuschauer gestalten. Das soll aber nicht so geschehen, dass wir abwarten, bis etwas nicht funktioniert. Oder etwas ändern, ohne zu eine Vorstellung zu haben, wie es sich auf der Rennstrecke auswirkt. Wir wollen früh genug Schwachpunkte und Verbesserungsbedarf aufspüren", verspricht er.

"Unser Ziel ist es zu agieren und nicht mehr auf jede vermeintliche Krise zu reagieren", so Brawn. "Zuerst muss man einmal erkennen können, was eine Krise ist. Dann muss man in der Lage sein, zu reagieren. Aber es hat keinen Sinn immer nur auf Probleme zu antworten. Wir wollen die Probleme an der Wurzel packen, bevor sie welche werden", erklärt der 62-Jährige.

Langfristige Planung im Vordergrund

"Deshalb schauen wir jetzt bereits, wo wir den Sport 2018 und 2019 haben wollen. Ich werde eine kleine Gruppe von Spezialisten zusammenstellen, die mir Vorschläge und Ideen erarbeitet, wie wir den Sport verbessern können. So etwas existiert im Moment nicht. Die Teams sind zu sehr mit ihren eigenen Aktivitäten beschäftigt", sagt Brawn. Schnellschüsse soll es in den kommen Jahren nicht mehr geben.

"Ich will sicherstellen, dass wir die richtigen Schritte machen, statt wild in der Gegend herumzuschießen. Eine gute Lösung, die Zeit braucht, ist immer noch besser als eine, die nicht funktioniert", erklärt der langjährige Weggefährte von Rekordchampion Michael Schumacher, der sich 2016 "auf jeden Fall die Rennen zu Beginn der Saison" vor Ort anschauen möchte.

"Und ich werde zu den Testfahrten kommen, weil ich sehen will, wie die Autos aussehen. Wir haben eine radikale Regeländerung vor uns und sollten früh genug herausfinden, welche Auswirkungen das auf die Show haben könnte. Ich will vorbereitet auf das sein, was mich in Melbourne erwartet", so Brawn. Unklar ist derweil auch, was die Formel 1 in Zukunft generell erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Dinge wie ein Budgetobergrenze oder eine fairere Verteilung der Einnahmen nicht mehr als eine Idee.

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Valtteri Bottas stand in vier Jahren für Williams neunmal auf dem Podium

Nette Worte zum Abschied: Bottas wünscht Williams den Titel

Valtteri Bottas schlägt 2017 ein neues Kapitel in seiner Formel-1-Karriere auf. Der Finne wird bei Mercedes in die Fußstapfen von Weltmeister Nico Rosberg treten und damit erstmals seit seinem …

Der Keep-Fighting-Award wird am Montag von FIA-Präsident Jean Todt übergeben

Keep-Fighting-Award: Schumacher ehrt Paralympics-Heldin

Die Formel-1-Saison 2017 beginnt mit ihren ersten Teampräsentationen und Testfahrten erst Ende Februar, doch für Fans von Michael Schumacher gibt's schon am kommenden Montag (30. Januar) ein echtes …

Wehrlein musste seine Hoffnungen auf ein Mercedes-Cockpit zunächst begraben

"Risiko" Wehrlein: Warum er frühestens 2018 eine Option ist

Den Kampf um das Mercedes-Cockpit hat Pascal Wehrlein verloren - vorläufig. 2017 wird Valtteri Bottas bei den Silberpfeilen an der Seite von Ex-Champion Lewis Hamilton fahren. Red Bulls …

Toto Wolff freut sich darüber, dass Ross Brawn in die Formel 1 zurückkehrt

Toto Wolff ist überzeugt: "Ross ist der richtige Mann"

Ross Brawn ist zurück in der Formel 1. Der ehemalige Teamchef und Ingenieur wurde von den neuen Formel-1-Eigentümern Liberty Media als Geschäftsführer für den sportlichen Bereich der …

Die Formel-1-Teams werden erstmals seit 2014 wieder in der Wüste testen

Formel-1-Testfahrten 2017 in Bahrain, Ungarn und Abu Dhabi

Der Motorsport-Weltverband (FIA) hat die Testtermine für die Formel-1-Saison 2017 bekanntgegeben. Neben den beiden bereits bekannten Testfahrten vor dem Start der neuen Saison in Barcelona (27. Februar …

AUCH INTERESSANT
20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

AUTO-SPECIAL

20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

Härter, schneller und noch krasser: „Pikes Peak“ ist der „Heilige Gral“ unter den Bergrennen und geht in die Extreme. Volkswagen war dort so schnell wie niemand zuvor und schaffte es, einen …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und der Preis
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und …
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV die Wende?
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV …
LKW Versicherung: So einfach gibt es das günstige Paket
LKW Versicherung: So einfach gibt es das …
VW Touareg R-Line 2018 Test: Das Update auf ein neues Level
VW Touareg R-Line 2018 Test: Das Update auf ein …
BMW X4 M40d 2018 Test: Was er besser kann als der BMW X3
BMW X4 M40d 2018 Test: Was er besser kann als …
Seat gliedert Cupra aus: Die Taktik für den Erfolg
Seat gliedert Cupra aus: Die Taktik für den Erfolg


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo