Ross Brawn will Formel-1-Rennen ohne WM-Status

, 06.03.2017

Formel-1-Sportchef Ross Brawn packt eine alte Idee wieder aus: Ein nicht zur WM zählendes Rennen soll als Versuchskaninchen für Änderungen herhalten

Gibt es bald in der Formel 1 wieder ein Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus? Ross Brawn kokettiert am Rande der Testfahren auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya mit der Idee, Änderungen am Rennformat oder sonstigen Baustellen mittels eines nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Rennens auszuprobieren. Nicht zur Weltmeisterschaft zählende Rennen gab es in der Formel 1 noch bis in die 1980er-Jahre hinein.

"Mein Traum wäre es, mal wieder einen Nicht-WM-Lauf zu veranstalten. Und dieses Rennen könnte man als Experiment nutzen", erzählt der frühere Chefstratege von Michael Schumacher, Rennstallbesitzer und Teamchef im Interview mit 'Sky'. "Das würde uns die Chance geben, am Format zu spielen, etwas Neues zu probieren und es weiterzuentwickeln." Ganz davon abgesehen würde ein solches Rennen auch Test- und Ersatzfahrern eine Gelegenheit geben, Rennkilometer zu sammeln.

Hintergrund ist eine Diskussion, ob das Rennformat mit einem einzelnen Rennen über etwas mehr als 300 Kilometer noch zeitgemäß ist. Lewis Hamilton provozierte jüngst mit Aussagen, dass es langweilig sei, "ewig dasselbe" durchzukauen. Das Rennformat überdauert seit einem halben Jahrhundert nahezu jede Reglementsänderung. Das birgt auch Gefahren, wenn man es nun ändern will - etwa in ein Zwei-Rennen-Format.

Keine überstürzten Änderungen mehr

"Wenn wir über Änderungen am Format nachdenken, dann müssen sicherstellen, dass wir es wohlüberlegt tun", warnt Brawn. "Denn wenn man es einmal hat, kann man es nicht einfach während der Saison wieder ändern." Das lassen alleine schon Verträge mit Streckenbetreibern und Fernsehstationen nicht zu. "Wenn man also feststellt, dass zwei Rennen der falsche Weg waren, könnten wir das nicht rückgängig machen", warnt Brawn vor dem schlimmsten anzunehmenden Szenario.

Auch gelte es, Traditionsfans nicht vor den Kopf zu stoßen, so der 62-Jährige weiter. "Gleichzeitig wollen wir aber neue Fans gewinnen. Diese Balance müssen wir wahren." Brawn erinnert sich an gern seine Anfänge im Motorsport zurück. "In der Frühphase meiner Karriere hatten wir zahlreiche Rennen, die nicht zur Weltmeisterschaft gezählt haben", sagt er gegenüber 'Formula1.com'. "Ich bin Ingenieur und es daher gewohnt, zu experimentieren." Dafür bräuchte er noch das richtige Spielfeld, das er sich nun schaffen möchte.

Nicht zur Weltmeisterschaft zählende Formel-1-Rennen waren bis in die späten 1970er-Jahre üblich. Fahrer, die diese Rennen mitnahmen, konnten so während einer Saison weit mehr Formel-1-Rennen fahren als heute. Erst mit dem Einstieg von Werksteams verloren diese Rennen ihre Bedeutung, da jene lieber testen gingen. Heutzutage sind die Anzahl der Testtage allerdings streng reglementiert.

Wenn man vom bis 1996 ausgetragenen Showsprint Formula One Indoor Trophy (Ironie: Er fand draußen statt) absieht, war das Race of Champions am 10. April 1983 in Brands Hatch der letzte Nicht-WM-Lauf der Formel 1. Der letzte Versuch, ein Formel-1-Rennen außerhalb der Weltmeisterschaft auszutragen, scheiterte 1990 mit einem geplanten Lauf in Donington. Es fanden sich nicht genug Starter ein.

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