Sebastian Vettel: In Monza endgültig bei Ferrari angekommen

, 08.09.2015

Auf dem Monza-Podest spürte Sebastian Vettel die Bedeutung des Mythos Ferrari - Bernie Ecclestone riet ihm zum Teamwechsel - WM-Titel nur eine Frage der Zeit

Alberto Ascari, Phil Hill, John Surtees, Ludovico Scarfiotti, Clay Regazzoni, Jody Scheckter, Gerhard Berger, Michael Schumacher, Rubens Barrichello und Fernando Alonso. Diese Piloten haben in der Formel-1-Geschichte für Ferrari in Monza gewonnen und sind Teil des großen Mythos Ferrari. Auf diesen Erfolg muss Sebastian Vettel noch warten, aber am vergangenen Wochenende stand er als Zweiter erstmals im roten Rennoverall auf dem Monza-Siegerpodest. Unter ihm feierten hunderte Tifosi mit Ferrari-Flaggen. An keinem anderen Ort spürt man, was Ferrari in Italien tatsächlich bedeutet.

Noch ist es für Vettel ein weiter Weg, bis er an die Ferrari-Erfolge von Schumacher anknüpfen kann. Mit seinen zwei Saisonsiegen hat Vettel den Grundstein für den Rückhalt der Tifosi gelegt. Sie bedankten sich in Monza für seinen Einsatz: "Ich glaube, es war einer der emotionalsten Tage, die ich in der Formel 1 je hatte", strahlte der vierfache Weltmeister nach der Siegesfeier. "Der Moment auf dem Podium macht das Ganze so lebenswert und den Traum, Formel-1-Fahrer zu leben und bei Ferrari zu sein, so lebendig. Danke dafür und für die Unterstützung."

Vettel ist bei Ferrari angekommen, der Mythos hat ihn gepackt. "Er hat sich über diesen zweiten Platz gefreut, als hätte er gewonnen", ist Gerhard Berger, der Monza-Sieger von 1988, bei 'ServusTV' aufgefallen. "Aber wir kennen den Sebastian doch alle - er will gewinnen, alles andere interessiert ihn doch gar nicht. Er ist richtig in dieser Ferrari-Welt angekommen. Es sind Emotionen, und Emotionen sind in unserem Sport eine ganz wichtige Sache. Ferrari ist diesbezüglich einzigartig."

Vettel ist erst am Beginn seiner Ferrari-Ära. Berger fuhr zwischen 1987 und 1989 und von 1993 bis 1995 für den berühmtesten Rennstall der Welt. Das Ferrari von damals und heute ist nicht miteinander zu vergleichen. Berger kennt alle Höhen und Tiefen. 1988 der große Triumph in Monza, 1989 der schwere Feuerunfall in Imola. Dazu kamen nach dem Tod von Enzo Ferrari Intrigen und politischer Hick-Hack. In jüngerer Vergangenheit musste sich Ferrari nach der Schumacher-Ära umstrukturieren. Politisch wurde der Rennstall neu geordnet.

Auch Vettel war sich im Vorjahr nicht sicher, ob der Wechsel zu Ferrari ein Risiko sein könnte. Bevor er auf Ferrari zukam, fragte Vettel sogar Bernie Ecclestone um Rat: "Klar, er wollte ein Team verlassen für das er vier Weltmeisterschaften gewonnen hat. Man hat so viel zusammen gewonnen und jetzt will man weggehen? Keine einfache Entscheidung", wird Ecclestone von 'Formula1.com' zitiert. "Ich versuchte ihm zu erklären, dass er in einem Team ist, das Mühe hat. Dort hätte er ein Team, das sich verbessern wird. Es könnte nur besser werden."

Sportlich gesehen wechselte Vettel zum richtigen Zeitpunkt zu Ferrari. Während bei Red Bull nichts weitergeht, machte die Scuderia kontinuierlich Fortschritte und etablierte sich als zweitbestes Team hinter Mercedes. Tendenz steigend. "Sie sind wirklich gut unterwegs", lobt Berger. "Ich hätte mir nicht gedacht, dass sie so einen Sprung hinlegen. Ich kenne Maurizio Arrivabene (damals Marlboro-Manager; Anm. d. Red.) aus meiner Zeit bei Ferrari sehr gut. Er macht einen sehr guten Job, besser als ich ihm zugetraut hätte."

Außerdem bringt Vettel die richtige Einstellung und Motivation zur italienischen Mannschaft. Berger weiß aus der gemeinsamen Zeit bei Toro Rosso: "Sebastian ist ein penibler Arbeiter mit einer großen Disziplin. Wenn der Tag kommt, an dem er eine Chance riecht, wird er zuschlagen. Sebastian ist nicht umsonst viermal Weltmeister. So wie Schumacher wird er Ferrari an die Spitze führen." Auch Ecclestone ist sicher, dass Vettel der zehnte Ferrari-Weltmeister der Formel-1-Geschichte werden wird: "Er wird sicher mit Ferrari Weltmeister, kein Zweifel daran."

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