Unfall Bottas versus Hamilton: Fahrer gelassen, Lauda kocht

, 03.04.2016

Niki Lauda geht mit Valtteri Bottas hart ins Gericht: Er sei beim Start zum Großen Preis von Bahrain "wie ein Verrückter" gefahren - Hamilton überraschend gelassen

Der Formel-1-Grand-Prix von Bahrain war für Lewis Hamilton bereits in der ersten Kurve mehr oder weniger gelaufen: Williams-Pilot Valtteri Bottas versuchte nach einem Katapultstart aus der dritten Startreihe zwar keinen wirklichen Angriff, aber zumindest sich auf der Innenbahn vorteilhaft zu positionieren. Der Williams kam leicht quer und rutschte in den Mercedes des Weltmeisters. Hamilton fiel bis auf Rang neun zurück, Bottas erhielt später eine Durchfahrtsstrafe.

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda übt scharfe Kritik an Bottas, der ausgerechnet ein Zögling des eigenen Sportchefs Toto Wolff ist: "Lewis hatte Pech, weil Bottas komplett verrückt gefahren ist", beschwert sich die Rennlegende aus Österreich. "Er hat die Reifen blockiert und ist in jemanden gekracht, der ihn gar nicht kommen sehen konnte. Dass das Auto beschädigt war, hat ihm nicht geholfen." Dass Hamilton nicht unter dem Helm kochte, wundert Lauda: "Ich wäre von Bottas genervt."

Überraschenderweise tat Hamilton es tatsächlich nicht. Nach seinem dritten Platz im Rennen wusste er noch gar nicht, wer ihm reingefahren war. Der Brite entspannt: "Ich weiß nicht genau, was in Kurve eins passiert ist, aber wer auch immer da gewesen ist, war in meinem toten Winkel. Ich konnte ihn nicht sehen. Das ist ein Rennunfall, solche Dinge passieren." Die anschließende Durchfahrtsstrafe gegen den Finnen fanden viele Experten zu hart.

"Schon ein bisschen ein Fehler von Bottas", urteilt Sky-Experte Marc Surer. "Er kam von weit hinten. Aber es braucht immer zwei." Übeltäter Bottas selbst, der nach der Durchfahrtsstrafe noch auf den neunten Platz kam, sagt: "Ich habe in die Kurve eingelenkt und innen wurde es sehr eng. Es war einfach zu spät. Ich bin so weit wie möglich innen geblieben, aber bin etwas ins Rutschen gekommen."

Er hätte sich darauf konzentriert, ob ihn jemand von außen oder innen attackieren wollte. Deshalb habe er so spät gebremst. Toto Wolff steht in diesem Kampf ein wenig zwischen den Fronten, schließlich ist der Mercedes-Motorsportchef gleichzeitig auch Teil des Managements des Williams-Piloten. Er sieht die Schuld eher bei Bottas: "Der Unfall in der ersten Kurve war ein, sagen wir mal, optimistisches Manöver von Valtteri. Er war weit hinten - zu weit hinten. Dann hat er eine Lücke gesehen. In Prozenten ausgedrückt würde ich sagen, dass es 80:20 Valtteris Fehler war."

Anschließend sei das Auto Hamiltons stark mitgenommen gewesen. Frontflügel und Unterboden waren beschädigt, weshalb etwa Kimi Räikkönen im verbliebenen Ferrari außer Reichweite war: "Aber er hat es nach Hause gerettet", lobt Wolff. Als Verlierer könnte die Rennleitung aus dieser Situation hervorgehen: Eine Durchfahrtsstrafe - also eine der härteren Strafen - zu vergeben, wenn selbst das Opfer von einem Rennunfall spricht, wird für Diskussionen sorgen, zumal vor der Saison eine Marschroute zugunsten härterer Zweikämpfe angekündigt wurde.

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