Williams-Technikchef: "Mehr Forschung vor Regeländerungen"

, 09.11.2016

Williams-Technikchef Pat Symonds ist von den Formel-1-Regeln 2017 nicht gänzlich überzeugt: "Gibt es wirklich besseres Racing? Niemand weiß es" - Blind in neue Ära

Die Formel 1 der Generation 2017 wird in neuem Gewand daherkommen. Die veränderten Regeln bringen breitere Räder und mehr Abtrieb, die Fahrzeuge werden im Durchschnitt um drei bis fünf Sekunden pro Runde schneller sein. Auf diesem Weg will man in der Königsklasse mehr Action erzeugen. Die Idee: Autos mit mehr Grip und mehr Anpressdruck sind schwieriger zu fahren, die Herausforderung für die Piloten größer, die Fehlerquote und die Streuung bei den Leistungen entsprechend höher.

"Man war halt der Meinung, dass die aktuellen Autos zu einfach zu fahren sind und sie außerdem zu langsam seien", nennt Williams-Technikchef Pat Symonds den Hintergrund der Regeländerungen zum kommenden Jahr. "Natürlich sind sie langsamer geworden. Das liegt schon allein daran, dass das Gewicht immer weiter in die Höhe ging und man die Aerodynamik immer weiter beschnitten hat. 2017 geht es erstmals wieder in die andere Richtung. Das ist interessant."

Der erfahrene britische Ingenieur freut sich auf die technischen Herausforderungen und auf "attraktiv aussehende Autos". Symonds erklärt: "Ich hatte zuerst ein bisschen die Befürchtung, dass eine Art Retrolook erscheinen würde, aber die neuen Autos werden einfach nur toll aussehen. Die breiten Reifen passen einfach gut. Die Breite der Räder nimmt am Heck mehr zu als an der Front. Das verleiht den Fahrzeugen ein schickes Aussehen."

Formel-1-Autos 2017: Schön, schnell und auch spektakulär?

Der optische Eindruck von den Formel-1-Boliden spielt bei der Attraktivität der Serie eine Rolle. Allerdings aus Sicht von Symonds nur eine untergeordnete. Wichtiger sei die Antwort auf die Frage, ob die Autos der Generation 2017 tatsächlich besseres Racing mit sich bringen. Und genau an diesem Punkt hat der Brite seine Zweifel. "Da muss man sich mit diesen Mythen beschäftigen. Zum Beispiel: Warum wollen wir mehr mechanischen Grip? Was soll dies verbessern?", so der Williams-Technikchef.

"Ich denke, das beste Racing sehen wir oft im Regen. Warum? Weil die Autos dann schwierig zu fahren sind. Es gibt kaum Grip, die Fehlerquote steigt, die Bremszonen werden länger und einiges mehr", erklärt Symonds. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass ein erhöhter mechanischer Grip automatisch zu besserem Rennsport führt. Wenig Grip, wenig Aerodymamik und viel Power - das ist aus meiner Sicht das, was zu besserem Racing führen würde."

Symonds kritisiert die Regelmacher der Formel 1. Man führe neue Regularien ein, ohne zuvor ausreichend abschätzen zu können, ob diese zum gewünschten Ziel führen. "Keiner weiß, ob wir besseren Sport sehen werden", meint er. "Wir wechseln zu diesem neuen Regelwerk, ohne vorher ausreichend darüber nachgedacht zu haben. Bei neuen Sicherheitsfeatures werden vorher oft umfassende Studien angefertigt, aber bei den anderen Dingen oftmals nicht."

"Es gibt keine ordentlichen Mechanismen, die mal hinterfragen, ob man beispielsweise mit den 2017er-Autos tatsächlich leichter überholen kann. Niemand weiß das bisher. Das ist schade", erklärt der 63-Jährige. "Wir machen einen globalen Sport, es fließt unglaublich viel Geld hinein. Da sollten wir doch einen Weg entwickeln, der auch langfristige Ziele umfasst. Vor allem in diesem Jahr hat man sich mit Regeländerungen gewaltig ins Knie geschossen", spielt Symonds auf das Chaos um die Qualifyingregeln zu Beginn des Jahres an. Nach einem Versuch mit der "Reise nach Jerusalem" ging man wieder zum alten Format zurück.

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