Nasser Al-Attiyah: "Vielleicht schaffe ich es unter die Top 8"

, 22.11.2015

Interview mit Nasser Al-Attiyah vor den WTCC-Rennen in Katar: Wie wichtig die Rennen für sein Heimatland sind und welche Chancen er sich ausrechnet

Rallye-Ass, Olympia-Medaillengewinner und nun auch WTCC-Pilot: Nasser Al-Attiyah ist einer der populärsten Sportler in Katar, und das macht sich die Tourenwagen-Weltmeisterschaft bei ihrem ersten Auftritt in Losail zu nutze: In einem Chevrolet Cruze des Campos-Teams wird der Nationalheld bei den Nachtrennen am kommenden Freitag an den Start gehen.

Im Interview spricht Al-Attiyah über seine Ziele beim Debüt in der WTCC und erklärt, wie wichtig der Auftritt der Tourenwagen-WM für sein Heimatland ist. Der 44-Jährige weiß zudem auf die Tücken des Losail International Circuit hin, blickt auf seine überaus erfolgreiche Rallyesaison zurück und erklärt, warum die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 sein großer Traum ist.

Frage: "Nasser, was bedeutet es für dich, dass die WTCC nach Katar kommt?"

Nasser Al-Attyiah: "Als ich hörte, dass die WTCC nach Katar kommt, war ich stolz. Nun selbst dabei zu sein, macht mich noch stolzer. Es ist eine Ehre, dass ich mein Land beim ersten Gastspiel der Tourenwagen-WM vertreten darf. Katar richtet seit einigen Jahren erfolgreich MotoGP-Veranstaltungen aus, und dass nun auch eine FIA-Weltmeisterschaft dort stattfindet, wird dem Ruf des Landes als Sportveranstalter nur zuträglich sein."

Frage: "Wie aufgeregt bist du vor deiner Teilnahme am ersten WTCC Rennen von Katar?"

Al-Attyiah: "Ich bin sehr aufgeregt, denn so etwas habe ich noch nie gemacht. Ich möchte die besten Fahrer in meinem Heimatland sehen und ein Teil des Ganzen sein. Viele der Fahrer kenne ich schon recht gut, Leute wie Sebastien Loeb aus dem Rallyesport, (Jose Maria; Anm. d. Red.) Lopez von meinen Besuchen in Argentinien. Es ist ein wichtiges Rennen, für das ich mich lange mit unserem Verband, der QMMF, eingesetzt habe. Es ist wirklich gut, dass die WTCC in mein Heimatland kommt, ich freue mich darauf."

Ist Al-Attiyahs Streckenkenntnis ein Trumpf?

Frage: "Was glaubst du, wie schwierig es für dich werden wird?"

Al-Attyiah: "Natürlich wird es nicht einfach, denn ich bin noch nie einen Tourenwagen oder überhaupt ein Auto mit Frontantrieb gefahren. Aber ich habe die Möglichkeit, einmalig in dieser Meisterschaft zu fahren und werde mein Bestes geben. Vielleicht schaffe ich es in den Rennen unter die Top 8."

Frage: "Du hast große Erfahrung im Rallyesport, aber wie oft bist du im Laufe deiner Karriere auf der Rundstrecke gefahren?"

Al-Attyiah: "Vor einigen Jahren bin ich den Porsche Cup in einem GT3 gefahren. Das war schön und hat viel Spaß gemacht. Es war nur eine Saison, aber da ich mit den Rallyes so beschäftigt war, konnte ich nicht mehr machen."

Frage: "Wie lauten deine Ziele für die WTCC Rennen von Katar?"

Al-Attyiah: "Ich möchte Erfahrung in der Tourenwagen-WM sammeln und beide Rennen beenden. Ich will aber auch mein persönliches Limit bei solch einem Rennen herausfinden. Ich kenne den Losail International Circuit sehr gut, vielleicht ist das der Schlüssel zu einem guten Wochenende."

"Ich habe auf diesem Kurs oft getestet und bin viele Rennen gefahren, kenne daher die Kurven und weiß, was zu tun ist. Diese Art von Rennen wird für mich zwar völlig neu sein, aber immerhin fahre ich auf einer Strecke, die ich gut kenne. Ich will zwar möglichst gut abschneiden, aber meine Ziele werden anders sein als die meiner Rivalen. Ich bin Botschafter des Motorsports im Nahen Osten und werde alles in meiner Macht stehende tun, um Katars Position auf der Landkarte des Motorsports zu stärken."

Der Traum von Olympia

Frage: "Und was ist mit der Rennstrecke? Wie ist sie für den Fahrer?"

Al-Attyiah: "Es ist eine schnelle Strecke, und einige Teile sind nicht einfach. Man braucht einen guten Rhythmus, denn wenn man an einigen Stellen von der Linie abkommt, verpasst man die nächste Kurve. Es wird zudem ein Nachtrennen sein, was viele Fahrer nicht kennen, da die WTCC zum ersten Mal bei Nacht fährt. Das wird zwar den meisten gefallen, aber die Strecke wird dann auch staubiger, und das wird nicht einfach für die Fahrer, die zum ersten Mal dort sind. Das Gripniveau der Strecke verändert sich dann."

Frage: "Es war ein tolles Jahr 2015 für dich. Wie zufrieden bist du mit dem Erreichten?"

Al-Attyiah: "Ich bin sehr glücklich, auf jeden Fall. In einem Jahr die Dakar, den Cross-Country-Weltcup, die Rallyemeisterschaft des Nahen Ostens und die WRC2-Meisterschaft zu gewinnen, ist wirklich gut. Ich habe in diesem Jahr eine Menge erreicht und kann nun auch noch die WTCC in meinem Heimatland genießen. Ich muss mir allerdings jemanden suchen, der mir bei der Siegerehrung der FIA in Paris hilft, all die Pokale zu tragen!"

Frage: "Du bist zwar für deine Erfolge im Rallyesport bekannt, bist aber auch ein exzellenter Skeet-Schütze. Betreibst du diesen Sport noch aktiv, und wie sind die Chancen, dass wir dich 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio sehen werden?"

Al-Attyiah: "Auf jeden Fall, ich trainiere oft. Im Februar 2016 nehme ich an einem Wettkampf teil, der als Qualifikation für Rio zählt. Olympia wäre mein Traum, denn es wäre das sechste Mal, dass ich mein Land bei den Olympischen Spielen vertreten würde. Nach der Bronzemedaille 2012 in London will ich in Rio ähnlich gut abschneiden."

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