Lorinser Mercedes 450 SEL 6.9: Die Drehmomentrakete aus den 1970ern

, 19.07.2009

Historische Exkurse haben irgendwie etwas Bewegendes, wenn man sich die damals getunten Power-Fahrzeuge anguckt. Wir schrieben das Jahr 1975 als die Deutschen mit dem Mercedes 450 SEL 6.9 der Baureihe W116 eine echte Straßenrakete auspackten. Den Motor entliehen die Konstrukteure in der Basis der mächtigen Staatslimousine 600, die einem Rolls-Royce in Renommee und Luxus in nichts nachstand. Für alle, die mit der geballten Power nicht ganz so hinter dem Berg halten wollten, bot Lorinser schon damals die Extraportion Überholprestige.


Aus gigantischen 6.834 cm³ Hubraum wrang das Triebwerk des Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 bereits serienmäßig rekordverdächtige 550 Nm bei 3.000 U/min. Zu seiner Zeit war dies absoluter PKW-Rekord und ist noch immer genug, um gegen einen aktuellen Mercedes-Benz S 500 den entscheidenden Stich zu erzielen. Sportliche Werte, die manch einer kaum hinter der im „Stuttgarter Spätbarock“ gehaltenen Fassade vermuten würde - auch wenn das Fahrzeug damals mit einem Grundpreis von 70.000 D-Mark den Gegenwert einer Eigentumswohnung repräsentierte.


Während der W116 in der Werksversion noch ein typisches Auto der 1970er-Jahre darstellte, gelang Lorinser mit dem Optik-Paket der Schulterschluss zur Moderne. Die schmalen Chrom-Stoßstangen, welche die Karosserie trotz ihrer faktischen Größe schlank und flach wirken ließen, ersetzen die Techniker durch breite, eckige Kunststoffschürzen an Front und Heck. Fast scheint es so, als ob der Frontspoiler mit dem Renngittereinsatz und den integrierten Nebelscheinwerfern Mercedes als Vorbild für die Gestaltung der nächsten S-Klasse mit dem Werkscode W126 gedient hätte.

 

An den Flanken schlagen massive Seitenschweller den Bogen zum Heck, das durch eine neue Heckschürze ebenfalls an Volumen gewann und auf dessen linker Seite ein massiver Doppelrohrauspuff von Lorinser prangt. Leider limitierten die für heutige Maßstäbe schlanken Reifen im Format von 205/55 VR 16 die Traktion ein wenig. Dafür erweisen sich die Multispeichenfelgen als echte Augenweide: Sie stammen aus dem Hause BBS, da Lorinser in den 1970er-Jahren noch keine eigenen Räder anbot.


Ein beherzter Tritt auf das Gaspedal und der Fahrer vernahm das Schnauben von 286 PS, die den Galopp auf Tempo 100 über eine Dreigangautomatik in 7,4 Sekunden bewältigten. Maximal erlaubte der Achtzylinder, der wie echte Sportwagen über eine Trockensumpfschmierung verfügte, eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h - dann befinden sich die Fahrwiderstände und der Vortrieb im Einklang.


Harmonisch gab sich ebenfalls die damalige hydropneumatische Federung der Mercedes-Benz S-Klasse, die auf einem französischen Patent basierte. Schnelle Kurven nahm der große Mercedes überaus gelassen und ließ sich mit dem griffigen Lenkrad von Lorinser geschmeidig dirigieren.

7 Kommentare > Kommentar schreiben

19.07.2009

Oldtimer "Tuning" , davon halte ich gar nichts. Die Automobilen Zeitzeugen sollen in meinen Augen so bleiben wie sie gebaut wurden.

19.07.2009

[QUOTE=BMW Power;66694]Oldtimer "Tuning" , davon halte ich gar nichts.[/QUOTE] Es handelt sich bei diesem Fahrzeug um einen historischen Exkurs, wie man dem Artikel entnehmen kann. Der Mercedes 450 SEL wurde nicht heute getunt, sondern damals. [QUOTE=BMW Power;66694]Die Automobilen Zeitzeugen sollen in meinen Augen so bleiben wie sie gebaut wurden.[/QUOTE] Ergo dürftest Du heute an einem aktuellen Fahrzeug mit einem hohen Stellenwert auch kein Tuning befürworten. Da könnte jemand in 30 Jahren auch sagen, wie man ein Auto nur veredelen konnte. ;)

19.07.2009

Wer weiss ob es in 30 Jahren noch Autos gibt so wie wir sie kennen;) Mein 5er ist ja nicht getunt... Hab so auch ncihts dagegen. Nur selber machen würde ich es nicht... Nur OEM ;)

19.07.2009

Ein interessanter Ausflug in die Vergangenheit. Die Tuningkultur hat sich in den letzten 30 Jahren nicht wesentlich verändert. Dafür hat sich die Technik umso stärker entwickelt. Noch ein paar Worte zur Optik. Mir persönlich gefallen die alten Mercedes Modell nicht. Daran konnte auch Lorinser nichts ändern. Insgesamt finde ich die Anbauteile hier ein wenig zu massig.

22.07.2009

Schöne Veränderungen hat Lorinser schon damals gemacht.

23.07.2009

Schöner Vergangenheitsbericht! Sehr interessant! Mehr davon Christian! Das Fahrzeut finde ich, gerade von Aussen, super! Ich mag die die Fahrzeuge mit Stern aus dieser Zeit. Vielleicht weil mein Dad ganz früher 2 dieser Schiffe hatte. Werd nächsten Tage mal ein schönes Exemplar aus der Nachbarschaft ablichten. Der Motor ist ja wirklich mal ne Wucht, aber wenn man dann am Ende die Fahrleistungen liest, "nur" 286 PS aus fast 7 Litern Hubraum, über 500 Nm, 7,4 sek auf 100 km/h sind in Ordnung, aber auch nicht wirklich ein Reisser.....aber naja, es war eben eine andere Zeit. Also natürlich :applaus: Lorinser!

24.07.2009

Ich finde den Artikel auch sehr interessant. Würde mich auch über Berichte weiterer Youngtimer freuen.


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