Neue Allianz zwischen Daimler, Nissan und Renault

, 09.04.2010

Die Daimler AG und die Renault-Nissan-Allianz vereinbarten eine weitreichende strategische Kooperation, die sich beispielsweise auf die nächste Generation des Smart Fortwo und des Renault Twingo samt Elektroantrieben, die gemeinsame Erweiterung von Produktfamilien und eine Zusammenarbeit bei Motoren bezieht. Darüber hinaus beschlossen die beiden Unternehmensgruppen eine gegenseitige Kapitalbeteiligung.


Neue, gemeinsame Architektur für Kleinwagen

Beide Unternehmen vereinbarten bereits konkrete Projekte zur umgehenden Umsetzung, wie zum Beispiel eine neue, gemeinsame Architektur für Kleinwagen. Die nächste Generation des Smart Fortwo, ein neuer Viersitzer von Smart und der nächste Renault Twingo werden auf Basis dieser gemeinsamen Architektur entwickelt. Die Entwicklungsarbeit baut auf dem Heckantriebskonzept der aktuellen Smart-Modelle auf.

Jedes Fahrzeug soll sich hinsichtlich seiner Produktgestaltung klar voneinander differenzieren. Die Markteinführungen der gemeinsam entwickelten Modelle sind ab 2013 vorgesehen. Bereits ab Markteinführung sollen die gemeinsam entwickelten Fahrzeuge auch mit einem Elektroantrieb verfügbar sein.


Weitreichende Motoren-Kooperation

Der Fokus der Kooperation im Bereich des Antriebsstranges liegt auf der gemeinsamen Nutzung von äußerst verbrauchsarmen Diesel- und Benzinmotoren. Die Renault-Nissan-Allianz wird aus ihrem Portfolio Benzin- und Dieselmotoren mit drei und vier Zylindern an Daimler liefern, die dann an die Mercedes-typischen Anforderungen und Charakteristika angepasst werden.

Das Ergebnis bietet für beide Seiten Vorteile: Daimler kann Motoren aus der Renault-Nissan-Allianz nutzen und damit zusätzliche Absatzpotenziale für seine nächste Generation von Premium-Kompaktwagen erschließen. Gleichzeitig verbessert die Renault-Nissan-Allianz die Auslastung ihrer Kapazitäten.

 

Daimler wird Benzin- und Dieselmotoren aus seinem aktuellen Antriebsportfolio an Nissans Luxus-Marke Infiniti liefern. Dies beinhaltet Vier- und Sechszylinder-Motoren. Auch hierbei bieten sich für beide Seiten Vorteile: Infiniti kann auf Motoren von Daimler zurückgreifen, während Daimler eine weitere Verbesserung der Auslastung seiner Fertigungskapazitäten erreicht.


Außerdem wollen Daimler, Renault und Nissan im Bereich zukünftiger Benzin- und Dieselmotoren zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit bei den Motoren beruht auf einem technischen Konzept, das eine klare Wahrung und individuelle Ausprägung der jeweiligen Marken- und Produktidentitäten sicherstellt und gleichzeitig eine äußerst wettbewerbsfähige Kostenstruktur bietet.

Das wesentliche Ziel ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Partner durch ein wesentlich höheres Volumen, das zu entsprechenden Skaleneffekten führt, sowie das Teilen von Entwicklungskosten.


Zusammenarbeit im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge

Die Unternehmen einigten sich ferner auf eine enge Kooperation im Segment der leichten Nutzfahrzeuge. „Mercedes-Benz Vans“ wird in diesem Zusammenhang sein Portfolio ab 2012 um ein komplett neues Einstiegsmodell erweitern, das für den kommerziellen Einsatz vorgesehen ist. Die technische Basis dieses Stadtlieferwagens stammt von Renault, während die Produktion des Fahrzeugs im Renault-Werk in Maubeuge, Frankreich, erfolgt. Beide Seiten profitieren hierbei von einem zusätzlichen Absatzvolumen, einer verbesserten Kapazitätsauslastung sowie geteilten Investitionskosten. All dies führt zu einer Verbesserung der generellen Kostenstruktur.

Zusätzlich zu dieser Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen wollen die Unternehmen auch ausgewählte Antriebskomponenten austauschen, um das Produktangebot und das Absatzvolumen im Bereich der mittelgroßen Nutzfahrzeuge auszubauen. Dies beinhaltet einen kleinen Dieselmotor und Getriebevarianten, die Daimler von Renault-Nissan für den Mercedes-Benz Vito beziehen wird. Diese zusätzliche Einstiegsmotorisierung erschließt weitere Absatzpotenziale für „Mercedes-Benz Vans“ und ermöglicht eine verbesserte Kapazitätsauslastung bei Renault.

 

Kapitalbeteiligungen bei den Partnern

Die strategische Kooperation unterstreicht eine einmalige Kapitalbeteiligungsstruktur, um den drei Unternehmen die Chance zu eröffnen, auf Basis einer für alle Beteiligten vorteilhaften Partnerschaft, langfristig Synergien zu erörtern, abzugleichen und zu erschließen. Die generelle Struktur dieser Vereinbarung basiert auf dem Prinzip einer Überkreuzbeteiligung von 3,1/3,1/3,1 Prozent zwischen Renault, Nissan und Daimler:


Daimler erhält 3,1 Prozent neu ausgegebener Aktien von Renault und darüber hinaus von Renault 3,1 Prozent der vorhandenen Nissan-Aktien. Im Gegenzug bekommt Renault 3,1 Prozent der Daimler-Aktien (eigene Aktien). Unabhängig davon vereinbarte Renault, 1,55 Prozent der Daimler-Aktien mit Nissan gegen 2 Prozent der Nissan-Aktien zu tauschen. Renault und Nissan werden dadurch jeweils 1,55 Prozent der eigenen Aktien von Daimler halten.

Weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Erklärtes Ziel der beiden Unternehmensgruppen ist es, einen langfristigen Rahmen zu etablieren, der zukünftige Bereiche einer engen Kooperation zwischen Renault, Nissan und Daimler definiert.


Beide Seiten werden nach Abschluss der Vereinbarung zur strategischen Kooperation und der Umsetzung der ersten wesentlichen Kooperationsprojekte weitere mögliche Felder für eine Zusammenarbeit identifizieren. Dies beinhaltet etwa die Prüfung der Möglichkeit, Module und Komponenten zwischen Fahrzeugen von Infiniti und Mercedes-Benz gemeinsam zu nutzen oder auch eine regionale Kooperation in den USA, China und Japan zwischen Nissan, Infiniti und Daimler.

Zudem wird geprüft werden, welche Chancen sich ergeben, Technologien im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen oder Batterien gemeinsam zwischen Renault, Nissan und Daimler zu entwickeln.

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