Abrechnung von Mark Webber: "Da war ein Plan dahinter"

, 29.06.2015

Kurz vor der Erscheinung der Biografie: Ex-Formel-1-Pilot Mark Webber über die "Multi 21"-Affäre von 2013 und einen perfiden Plan der Red-Bull-Teamleitung

Im Juli wird die Biografie von Ex-Formel-1-Pilot Mark Webber unter dem Titel "A Different Journey" veröffentlicht. Bereits vor einigen Tagen kündigte der Australier an, dass in seinem Werk einige Wahrheiten bezüglich seines Verhältnisses zu Sebastian Vettel ans Tageslicht kommen werden. Einen Vorgeschmack lieferte der heutige Porsche-Werkspilot in einer Sendung des australischen TV-Kanals 'ABC'. Darin kamen neben Webber unter anderem auch dessen Lebensgefährtin Ann Neal und Ex-Teamchef Paul Stoddart zu Wort.

"In der Formel 1 wird bis aufs Blut gekämpft. Es ist hoch politisch, es werden keine Gefangenen gemacht. Mark ist nun seit einiger Zeit heraus aus diesem Haifisch-Becken und hat einige Situationen noch einmal reflektieren können", sagt Stoddart zum Auftakt der Sendung, in der Webber seine Karriere beschreibt und von den ersten WM-Punkten im ersten Grand Prix im unterlegenen Team Minardi berichtet, dessen Boss Paul Stoddart damals war. Dann gehen die Protagonisten der Sendung auf Webbers Verhältnis zum langjährigen Red-Bull-Teamrivalen Sebastian Vettel ein.

"Alles fing an, als Sebastian und Mark im Grand Prix der Türkei kollidierten", schildert Jackie Stewart. "Man hatte ab jenem Zeitpunkt das Gefühl, dass Sebastian besser behandelt wird als Mark. Das Team mag seinen Sitz in England haben, aber das Geld kommt aus Österreich und Deutschland", meint Ex-Formel-1-Champion Alan Jones. "Wir haben uns gewundert, dass Sebastian mit so etwas einfach so durchkommt", berichtet Ann Neal.

"Ich hatte die zwei Rennen zuvor vom Start bis ins Ziel angeführt und entsprechend gewonnen", blickt Webber zurück. "Dann kommt ein neuer Heckflügel. Und was passiert? Er geht auf die andere Seite der Garage. Ich weiß noch genau, wie wütend meine Mechaniker waren. Man bekam das Gefühl, als würde der Plan dahinter stecken, es Sebastian möglichst angenehm zu gestalten." Immer wieder geraten der junge Deutsche und der erheblich ältere Australier aneinander. Die Differenzen münden in die berühmte "Multi 21"-Affäre in Malaysia 2013, wo sich Vettel nicht an die Teamorder von Red Bull hält.

Malaysia 2013: Die Wut auf Webber-Seite steigt

"Ob ich damals wütend auf Sebastian war? Schon ein bisschen", sagt Webber. "Aber vielmehr habe ich die Gesamtsituation betrachtet und mich gefragt, wie wir in eine solche Lage überhaupt kommen konnten." Auf dem Podest habe sich Vettel nach seinem Sieg entschuldigt. "Aber ich habe gesagt, wir sollten in der Woche danach mal sprechen. In China hatten wir dann eine Diskussion, die nicht gerade toll verlief. Er sagte, er hätte großen Respekt vor mir als Fahrer aber nicht vor mir als Mensch."

"Das war es, was unser Verhältnis maßgeblich beeinflusst hat. Wir konnten uns danach kaum in die Augen schauen", berichtet der neunmalige Grand-Prix-Sieger aus Australien. "Das Team war über 'Multi 21' enttäuscht - ganz klar. Wir haben damit gezeigt, wie hilflos die Teamführung eigentlich ist. Sie konnten uns nicht im Griff haben. Es musste sich sowieso etwas ändern. Ich habe ihnen quasi mit meiner Entscheidung geholfen und das Team verlassen."

Zur Saison 2014 wechselte Webber zu Porsche, um mit der berühmten Sportwagenmarke die noch berühmteren 24 Stunden von Le Mans unter die Räder zu nehmen. Seither nimmt er kein Blatt vor den Mund, genießt die WEC-Szene und schießt mit ehrlichen Worten immer mal wieder Pfeile in Richtung Formel 1. "Ich bin mit mir im Reinen", sagt Webber. "Ich blicke zurück und sage, dass ich stolz bin auf das, was ich erreicht habe."

"Die Zeit heilt alle Wunden. Hier und dort ein paar Gläser Rotwein - und schon verfliegt der Ärger. Sebastian und ich kommen heutzutage gut miteinander zurecht. Wir haben uns oft getroffen, hatten ein tolles Gespräch in Monaco. Es ist interessant, wenn man hört, wie er die Dinge aus seiner Perspektive erlebt hat. Wir haben hohen Respekt vor einander", meint Webber. "Er war es, der gesagt hat: 'Wir schauen zurück und antworten auf die Frage, ob wir etwas anders hätten machen müssen: ganz sicher ja'."

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Der

Force India in Silverstone: Endlich kommt das Upgrade

Bei Force India herrscht aus mehreren Gründen Vorfreude auf den Grand Prix von Großbritannien in Silverstone. Zum einen ist es für das Team, mehr als für jedes andere, ein Heimrennen in …

Sebastian Vettel will Ferrari wieder dauerhaft zu Erfolgen führen

Sebastian Vettel: "Ich will mit Ferrari viele Titel …

Der Grand Prix von Großbritannien in Silverstone markiert als neuntes von 19 Saisonrennen die Halbzeit in der Formel 1 2015 und bietet somit die Gelegenheit für eine Zwischenbilanz des Rennjahres. …

Bernie Ecclestone gibt Mercedes nicht die Schuld für die Langeweile

Bernie Ecclestone: Mercedes nicht schuld an Langeweile

Die Kritik an der Formel 1 in diesen Tagen ist weit gefächert. Immer wieder poppen diverse Themen auf, über die man sich in der Königsklasse beschweren kann, und immer wieder führen sie …

Becker wird künftig keinen Formel-1-Fahrer beraten: Macht sein Beispiel Schule?

Perspektive "Legendencoach": Kommen die Boris Beckers?

Die Superstars auf dem Court, die Legenden auf der Tribüne: In den Boxen der Tennis-Weltstars sitzen immer mehr Ausnahmekönner der Vergangenheit. Roger Federer hat sich mit Stefan Edberg das Idol …

Bernie Ecclestone will mit der Formel 1 wieder

Bernie Ecclestone: Formel 1 muss wieder einfacher werden

Bernie Ecclestone hat manchmal durchaus fragwürdige oder gar verrückte Ideen. Doch man kann ihm nicht ankreiden, er würde nicht alles für seinen Sport tun. Und auch dem 84-Jährigen …

AUCH INTERESSANT
20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

AUTO-SPECIAL

20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

Härter, schneller und noch krasser: „Pikes Peak“ ist der „Heilige Gral“ unter den Bergrennen und geht in die Extreme. Volkswagen war dort so schnell wie niemand zuvor und schaffte es, einen …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des Jahres
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des …
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der sportliche Einstieg
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der …
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV die Wende?
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo