Formel 1 Budapest: Überraschungssieg für Sebastian Vettel

, 26.07.2015

In einem überraschenden wie dramatischen Rennen sicherte sich Sebastian Vettel den Sieg vor den beiden Red-Bull-Piloten Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo

Mit einer Trauerminute nahm die Formel 1 am Sonntag beim Großen Preis von Ungarn noch einmal Abschied von Jules Bianchi. Die Piloten versammelten sich auf der Startaufstellung, bildeten einen Kreis, in dem sich auch die Familie des vergangene Woche verstorbenen 25-Jährigen einreihte. Schweigend gedachte man dem Franzosen, dessen Helm in der Mitte stand, umringt von den Helmen seiner Kollegen. Ein hochemotionaler Moment für die Königsklasse des Motorsports, die zu Ehren ihres Kollegen innehielt.

Das Rennen auf dem 4,381 Kilometer langen Hungaroring war das letzte vor der rund vierwöchigen Sommerpause der Formel 1. Und eine Sommerpause haben viele nach diesem Rennen nötig, denn es ging auf der verwinkelten Rennstrecke so richtig zur Sache. Nach zahlreichen Zwischenfällen sicherte sich Sebastian Vettel im Ferrari den verdienten zweiten Saisonsieg.

Das Podium komplettierte das in diesem Jahr so häufig kritisierte Red-Bull-Team mit seinen Fahrern Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo. Den vierten Rang holte sich Max Verstappen im Toro Rosso vor Fernando Alonso (McLaren). Weltmeister Lewis Hamilton musste sich nach einem Rennen voller Zwischenfälle mit Rang sechs zufrieden geben vor Romain Grosjean im Lotus.

Nico Rosberg im zweiten Mercedes verlor bei einem Zwischenfall gegen Rennende den zweiten Rang und kam am Ende nur als Achter über die Ziellinie. Die letzten beiden Positionen in den Punkten sicherten sich Jenson Button im zweiten McLaren und Marcus Ericsson im Sauber.

Ferrari-Piloten nach sensationellem Start in Führung!

Der erste Start wurde durch die Rennleitung abgebrochen, sodass erneut eine Aufwärmrunde gefahren wurde. Verursacher war Massa, der sich falsch in die Startaufstellung gestellt hatte und dafür später eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe kassierte.

Einen Bombenstart erlebten nach der zweiten Einführungsrunde die beiden Ferrari-Piloten, die sich an beiden Mercedes vorbearbeiteten und die Führung übernahmen. Vettel schnappte bereits vor der ersten Kurve zu, Räikkönen überholte Rosberg in der zweiten Kurve, der seinerseits beim Anbremsen der ersten Kurve bereits an Hamilton vorbeigekommen war.

Hamilton musste im Duell mit Rosberg wenige Sekunden später sogar durch das Kiesbett fahren und fiel zunächst auf den elften Rang zurück. Die Reihenfolge: Vettel vor Räikkönen, Rosberg, Bottas, Kwjat, Hülkenberg (der um sechs Plätze nach vorn gekommen war), Ricciardo, Perez, Massa und Hamilton auf dem zehnten Rang. Dahinter: Sainz, Alonso, Verstappen, Button, Maldonado, Grosjean, Merhi, Ericsson, Nasr und Stevens.

Hamilton holt auf - Ferrari führt

In der zehnten Runde schnappte sich Ricciardo Hülkenberg und Hamilton Massa, wobei sich Letztere dabei sogar Rad an Rad berührten. Drei Runden später kam Hamilton auch an Perez vorbei und war damit mit 30,4 Sekunden Rückstand auf Vettel bereits Achter, vier Sekunden hinter Kwjat liegend. An der Spitze hatte Vettel 2,6 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen und 7,6 Sekunden Abstand auf Rosberg.

In der 14. Runde steuerten Bottas und Kwjat die Box zum Reifenwechsel an. Hülkenberg kam in Runde 16. In der 20. Runde kam Hamilton auf Rang fünf liegend zum ersten Mal an die Box, Rosberg einen Umlauf später, Vettel in Runde 22, Teamkollege Räikkönen eine weitere Runde später.

Die Abstände nach der ersten Runde an Boxenstopps: Vettel 5,7 auf Räikkönen, 12,4 auf Rosberg, 29,3 auf Ricciardo, 29,9 auf Hamilton, 37,1 auf Bottas, 39,6 auf Hülkenberg, 43,5 auf Kwjat, 47,6 auf Verstappen sowie Alonso auf Rang 10 mit 52,2 Sekunden Rückstand. Dahinter: Sainz, Button, Maldonado, Grosjean, Perez, Massa, Ericsson, Nasr, Stevens und Merhi.

Hamilton holt auf Rosberg auf

Nachdem Hamilton den Weg an Ricciardo vorbeigefunden hatte, holte Hamilton sukzessive auf Rosberg. In Runde 32 von 69 hatte der Deutsche nur noch 13 Sekunden Vorsprung auf den Briten, im 39. Umlauf waren es noch 5,5 Runden. Zu diesem Zeitpunkt des Rennens war Rosberg mit dem härteren und Hamilton mit dem weicheren Gummi unterwegs.

Probleme bei Räikkönen - Unfall von Hülkenberg

In der 41. Runde wurde Räikkönen plötzlich langsamer - aufgrund eines Problems mit der Energierückgewinnung. Der Finne verlor fast drei Sekunden pro Runde auf die Spitze. In der 43. Runde rutschte Hülkenberg mit seinem Force India plötzlich ohne Frontflügel am Ende der Start-Ziel-Gerade in die Reifenstapel. Der Deutsche hatte den Frontflügel einfach auf der Geraden verloren. Die Rennleitung setzte das Virtual Safety-Car ein. Hamilton, Vettel und Räikkönen kamen direkt an die Box. Einen Umlauf später schickte die Rennleitung das richtige Safety-Car auf den Kurs, um die Strecke von den Trümmerteilen reinigen zu können.

Die Reihenfolge hinter dem Safety-Car: Vettel, Räikkönen, Rosberg, Hamilton, Ricciardo, Bottas, Verstappen, Kwjat, Sainz und Button auf dem zehnten Rang. Dahinter: Alonso, Massa, Grosjean, Perez, Maldonado, Ericsson, Nasr, Stevens und Merhi. Vorne entschied sich übrigens Rosberg gegen einen Wechsel auf die weicheren Reifen.

Kostet das Safety-Car Ferrari den Sieg?

In jedem Fall wurde das Rennen durch das Safety-Car quasi wieder neutralisiert, denn der ehemals komfortable Vorsprung von Vettel auf die Konkurrenz war dahin. Räikkönen musste zudem weiterhin ohne Energierückgewinnung fahren und dürfte somit nach dem Restart schnell durchgereicht werden. Nach dem Unfall von Hülkenberg, der diesen unverletzt überstand, wurde das Rennen also noch einmal richtig spannend.

In der 49. Runde wurde das Rennen wieder freigegeben. Rosberg schnappte sich gleich den angeschlagenen Räikkönen. Hamilton duellierte sich hart mit Ricciardo und demolierte sich im Duell mit Ricciardo in der ersten Kurve den Frontflügel, verlor vorne links einen Teil der Endplatte, musste in Runde 52. zum Nasenwechsel an die Box. Weiter hinten fuhr sich Massa einen Reifenschaden am Frontflügel eines Konkurrenten ein und musste an die Box kommen.

An der Spitze hatte Vettel in der 51. Runde noch 1,3 Sekunden Vorsprung auf Rosberg. In der 53. Runde kam Räikkönen an die Box und wurde nach einem Neustart nochmal auf die Strecke geschickt, bevor er wenige Runden später aufgeben musste. Unterdessen hatte sich Rosberg bis auf 0,9 Sekunden an Vettel herangerobbt. In der 55. Runde kassierte Hamilton für seinen Unfall mit Ricciardo eine Durchfahrstrafe.

Ricciardo jagt Rosberg: Drama in Ungarn

Stark: Ricciardo fuhr auf dem dritten Rang mittlerweile im Windschatten von Rosberg - dank der weicheren Reifen. Die Reihenfolge in Runde 60: Vettel vor Rosberg, Ricciardo, Kwjat, Verstappen, Alonso, Grosjean, Button, Ericsson und Sainz auf Rang zehn. Dahinter: Nasr, Hamilton, Massa, Maldonado, Bottas, Merhi und Stevens.

In der 64. Runde griff Ricciardo nach Rosberg, beide berührten sich. Ricciardo verlor einen Teil des Flügels und Rosberg erlitt einen Plattfuß. Beide mussten an die Box kommen und verloren damit die sicher geglaubten Plätze zwei und drei. Hamilton fuhr in der 65. Runde damit sogar noch einmal an seinem Teamkollegen vorbei! Unterdessen kassierte Kwjat wegen Verlassens der Rennstrecke eine 10-Sekunden-Zeitstrafe.

Ausführlicher Rennbericht folgt an dieser Stelle in Kürze

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