Formel-1-Tests 2015 Barcelona: Lotus top, Mercedes kränkelt

, 19.02.2015

Bericht vom ersten Testtag: Maldonado mit überraschender Bestzeit vor Räikkönen und Ricciardo - Wehrlein ersetzt fiebrigen Hamilton - Wolff und Nasr kollidieren

Der zweite Formel-1-Wintertest auf dem Circuit de Catalunya vor den Toren Barcelonas hat am Donnerstag ereignisreich begonnen. Der schnellste Pilot der achtstündigen Doppelsession war mit Pastor Maldonado dank einer persönlichen Bestzeit in 1:25.011 Minuten ein Überraschungsmann. Schließlich reiste sein neuerdings Mercedes-befeuertes Lotus-Team noch zum ersten Test in Jerez verspätet an und gilt nicht nur wegen der Kinderkrankheiten des E23 als Außenseiter.

Der Tag des Venezolaners hatte durchwachsen begonnen: Binnen zehn Minuten war Maldonado am Vormittag zweimal ausgerollt und hatte dabei zwei Rotphasen verursacht, doch anschließend lief es auf weichen Pneus wie geschmiert. Auf Rang zwei landete Kimi Räikkönen (+0,156 Sekunden). Der Finne grüßte lange von der Spitze, verpasste aber die vierte Ferrari-Bestzeit der Vorbereitung. Auffällig: Der SF15-T wirkt schon jetzt zuverlässig und rückte vorwiegend auf der härteren Pirelli-Mischung aus.

Platz drei sicherte sich Daniel Ricciardo (+0,536 Sekunden) und unterstrich auf weichen Gummis die Red-Bull-Ankündigung, in Barcelona "die Hosen runterzulassen". Mit neuen Teilen von Renault räuberte der Australier im Tarnkappenbomber RB11 am Nachmittag durch das Kiesbett, hinterließ aber in Sachen Tempo einen ordentlichen Eindruck. Anders bei der technischen Standfestigkeit: Nach einer Ausfahrt mit einem Aero-Sensor am Vormittag sorgten erneute Probleme für langes Verweilen an der Box.

Der doppelte Wehrlein: Hamilton steigt mit Fieber aus

Die Konkurrenz kämpft in Spanien mit ungeahnten Hürden . Der viertplatzierte Sergio Perez (+1,625 Sekunden) hätte gar nicht in das dezent modifizierte Force-India-Vorjahresmodell VJM07 klettern sollen, musste aber hinter das Steuer, weil der ursprünglich vorgesehene Pascal Wehrlein bei seinem Hauptarbeitgeber Mercedes gefragt war. Lewis Hamilton hatte seinen Einsatz am Vormittag nach elf Installationsrunden mit Erkältung und hohem Fieber abgebrochen.

Der DTM-Youngster wechselte in der Mittagspause nach 32 Umläufen im Auto der Vijay-Mallya-Truppe zu den Silberpfeilen, sorgte aber ein keinem Cockpit für ein Ausrufezeichen. Seine Force-India-Zeit von 1:28.329 Minuten (+3,318 Sekunden) reichte für Rang acht in der Gesamtwertung des Tages. Im Mercedes war Wehrlein sogar langsamer und kam über 1:28.489 Minuten (+3,478 Sekunden) nicht hinaus. Allerdings vermasselten den Weltmeistern Probleme mit der Benzinpumpe den Nachmittag.

Am Freitag könnte Wehrlein wieder den W06 Hybrid bewegen, schließlich laboriert der eingeplante Nico Rosberg unter einer Nervenentzündung im Nacken Unter dem Strich bleiben gute Nachrichten für Force India: Das Team befindet sich an der Strecke, wartet auf die für die kommende Woche angekündigte Neuentwicklung VJM08 und Zweifel an einem Start in Melbourne sind verstummt. Ob Nico Hülkenberg und Co. an große Worte der Mexiko-Präsentation anknüpfen, bleibt abzuwarten.

Wolff kollidiert mit Nasr und weist Schuldvorwürfe zurück

Gekracht hat es in Barcelona auch noch: Protagonisten der ersten Kollision des Jahres waren die ehemaligen Konkurrenten im Williams-Testkader, Felipe Nasr und Susie Wolff. Gegen 14.30 Uhr kursierten erste Fotos der stark havarierten Autos, die offenbar Feindkontakt erlebten. Einigen Schilderungen zufolge war der neue Sauber-Pilot zum Zeitpunkt des Vorfalls auf einer schnellen Runde unterwegs, die Schottin nicht. Beim Überholen soll sie überraschend die Linie gewechselt und den Crash verursacht haben.

Wer wirklich am Unfall schuld war, ist nicht zweifelsfrei zu beurteilen. Wolff streitet es jedenfalls ab. Trostpflaster: In der letzten halben Stunde waren beide Boliden soweit wiederhergerichtet, dass die Teams sie erneut auf die Strecke schickten. Nasr (+2,296 Sekunden) knüpfte als Fünfter nicht an die beeindruckenden Zeiten aus Jerez an, während Wolff (+3,895 Sekunden) als Zehnte den großen Knall ebenfalls verpasste. Immerhin war sie mit 86 abgespulten Umläufen am Donnerstag extrem fleißig.

Trotz gutem Start: Nächstes Debakel für McLaren

Nur Toro Rosso Dreikäsehoch Max Verstappen (+2,889 Sekunden) legte mit seinen 94 Runden mehr Kilometer zurück. Der 17-Jährige war am Ende Sechster. McLarens Testdebakel erlebte in Barcelona eine nahtlose Fortsetzung. Bereits nach gut drei Stunden war für Jenson Button der Arbeitstag beendet, weil der neue Honda-Antriebsstrang wieder mit Kinderkrankheiten kämpft. Nach nur 21 Runden streikte die MGU-K, ein Teil des Hybridsystems und der Brite durfte zur Teamtime übergehen.

Der Schaden erforderte einen Komplettwechsel, was in der verbleibenden Zeit nicht zu schaffen war. Buttons persönliche Bestzeit in 1:28.182 Minuten (+3,171 Sekunden) war ebenso bedeutungslos wie Rang sieben. Licht am Ende des Tunnels: Zumindest die Mammutrückstande von Jerez scheint McLaren ad acta gelegt zu haben.

Wie immer gilt: Alle Resultate sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Bei den Wintertest halten sich viele Teams bewusst zurück, was im Fachjargon "Sandbagging" genannt wird. Außerdem bestehen in Barcelona bei Fahrten mit vollem und leeren Tank Zeitunterschiede von bis zu vier Sekunden pro Runde, DRS kann nicht überall auf dem Kurs und nicht nur in der vorgesehenen Zone aktiviert werden. Die klirrende Kälte Kataloniens (am Vormittag unter 10 Grad Celsius) wird den Zirkus an keinem Rennplatz erwarten.

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