"Heikle Zeit": Wolff verteidigt sich gegen Brawn-Kritik

, 22.10.2016

Schuld sind wieder einmal die Medien, die alles verdrehen: So erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff die Kritik von Ross Brawn an der Mercedes-Führung

Toto Wolff betont, dass sein Verhältnis zu seinem Vorgänger als Chef des Mercedes-Teams, Ross Brawn, nicht getrübt ist, obwohl ihn Brawn in seinem neuen Buch "Total Competition" (erscheint am 3. Nobember im Verlag Simon & Schuster) kritisiert. Das geht aus einigen Passagen aus dem Buch hervor, die vorab veröffentlicht wurden.

Brawn schreibt darin, er hatte im Winter 2012/13, als Wolff und Niki Lauda bei Mercedes an Bord kamen, nicht das Gefühl, den beiden vertrauen zu können. Als dann auch noch Paddy Lowe hinter seinem Rücken engagiert wurde und sich Wolff und Lauda für die Heimlichtuerei gegenseitig die Schuld in die Schuhe schoben, riss der Geduldsfaden des ehemaligen Ferrari-Chefstrategen, sodass er sich Ende 2013 in die Formel-1-Rente verabschiedete.

Auf die Kritik, er habe Brawn hinters Licht geführt und damals mit Kalkül übergangen, geht Wolff am Rande des Grand Prix der USA in Austin nicht direkt ein. Allerdings bestätigt er, dass es seit der Veröffentlichung bereits eine Kontaktaufnahme gegeben hat: "Ich habe alle Zitate gelesen, und Ross hat sich gemeldet. Offenbar wurden einige der Zitate aus dem Zusammenhang gerissen. Ich akzeptiere das", gibt der Österreicher den Medien die Schuld.

Wolff: Vage Antwort auf klare Fragestellung

Seine Sicht der damaligen Entwicklung bei Mercedes: "Eine Umstrukturierung in einer solchen Organisation ist immer eine schwierige und heikle Zeit. Nachdem sich Ross entschieden hat, das Team zu verlassen, gewannen wir ein paar WM-Titel. Das ist eine schwierige Situation. Aber zwischen uns ist alles klar. Ich respektiere ihn als Person und ich respektiere ihn sehr als Ingenieur. Daran hat keines dieser Zitate etwas geändert", so Wolff.

Brisant ist Brawns kontroverse Darstellung der Ereignisse hinter den Kulissen des Teams im Jahr 2013 vor allem insofern, als die heutigen Silberpfeil-Erfolge von Experten immer noch vor allem seiner Vorarbeit angerechnet werden. Unter Brawn-Regie wurde die Entscheidung getroffen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um frühzeitig jenen Wunderantrieb zu bauen, der Mercedes heute von Sieg zu Sieg powert. Gleiches gilt für die Chassisentwicklung für 2014.

Brawn: Erfolg ab 2014 war vorprogrammiert

"Das Team hatte einen frischen Plan und neuen Schwung. Es kam gerade 2012 zusammen und ging 2013 weiter", sagt Brawn in einem Interview mit der 'Bild'-Zeitung. "Ich war überzeugt, dass Mercedes den besten Motor hatte und mit dem Chassis alles zusammenpassen würde. Wir hatten mit dem Auto für 2014 viel früher angefangen als alle anderen. Wenn du in der Formel 1 diesen Zeitvorsprung hast, ist es für die anderen sehr schwierig aufzuholen."

Ende 2015, nach dem zweiten Mercedes-WM-Double unter Wolff/Lauda, gab es erste öffentliche Stimmen, wonach der Grundstein für den Erfolg bereits von anderen gelegt worden sein könnte. "Es sind andere Leute, die dafür verantwortlich sind. So sehe ich das", meinte damals der ehemalige Formel-1-Teamchef Colin Kolles. "Dazu zählen auch ein Norbert Haug und ein Ross Brawn. Dass die Herrschaften jetzt diese Ernte einsacken, das ist gut für sie."

Wolff wollte diese Sicht der Dinge damals gar nicht erst für unzulässig erklären: "Da ist absolut was dran", räumte er wenig später im Interview mit 'Motorsport-Total.com', bezugnehmend auf Kolles' Kritik, ein. "Ross und Norbert - und viele andere - haben einen nicht unwesentlichen Faktor dazu beigetragen, dass das Team erfolgreich ist. Das wissen wir, jeden einzelnen Tag. Wer auch immer das sagt, hat absolut recht."

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