Massa über Abbruch: "Q2 war schon viel zu gefährlich!"

, 25.10.2015

Formel-1-Piloten einig: Abbruch des US-Qualifyings war richtig, viele forderten die rote Flagge schon früher - Massa prophezeit "heftigen Unfall"

Nach dem zweiten Qualifying-Abschnitt wurde der Fahrbetrieb an diesem Rennsonntag auf dem Circuit of The Americas vorzeitig eingestellt. Die Regenmenge auf der Strecke verhinderte die Durchführung von Q3, Nico Rosberg freute sich somit schon vorzeitig über die Pole-Position beim US-Grand-Prix.

Vor allem der erfahrene Williams-Pilot Felipe Massa polterte im Anschluss an das Zeittraining: Er hielt schon die Durchführung des Q2 für fahrlässig und forderte die rote Flagge während der Session. "Ja, es war sehr gefährlich. Das Q2 war zu gefährlich, darüber habe ich mich gleich beschwert. Ich habe mich ein paar Mal fast gedreht. Man hätte so einfach verunfallen können. Sie sind definitiv ein zu hohes Risiko eingegangen", gibt der Brasilianer verärgert bei 'Sky Sports F1' von sich.

Und er geht noch weiter: "Schon gestern habe ich nicht verstanden, warum sie im Training nicht die rote Flagge gezeigt haben, es war ja unmöglich zu fahren am Ende. Hoffentlich werden sie nicht die selben Überlegungen auch im Rennen anstellen, ansonsten könnten wir einen heftigen Unfall erleben", beschwört er die bösen texanischen Geister.

WM-Führender Lewis Hamilton, der sich als Zweiter qualifizieren konnte, versteht die Aufregung von Massa nicht ganz: "Es war an der Grenze, aber nicht schlimmer als gestern. Es wurde immer schlimmer, aber ich will das Rennen fahren. Wir müssen heute ein Rennen fahren. Ich persönlich bin für einen stehenden Start. Was wäre das Rennfahren ohne Risiko? Darum geht's doch, um die Herausforderung", zeigt sich der Brite draufgängerisch. Schon gestern hat er betont, wie liebend gerne er unter solch regnerischen Bedingungen fährt.

Sein Mentor bei Mercedes, Niki Lauda, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, ein Regenrennen zu gewinnen: "Der geringste Konzentrationsfehler oder eine falsche Linie mit Aquaplaning kann das Rennen schon wieder zunichtemachen", so der dreifache Weltmeister nach dem Qualifying.

Einer, der die ganze Situation gewohnt gelassen betrachtet, ist Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Der Finne konnte sich im zweiten Abschnitt auf den achten Platz schieben, wird jedoch um zehn Plätze strafversetzt in der Startaufstellung des Rennens. "Wir haben im zweiten Teil des Qualifyings einen gebrauchten Reifensatz verwendet, das hat nicht geholfen", berichtet der "Iceman" trocken bei 'Sky Sports F1'.

Vettel mit Abflug in Q1

"Die Verhältnisse waren ziemlich knifflig, aber ähnlich wie gestern Vormittag. Wir hatten ein gutes Tempo, verglichen mit dem, wo wir zuletzt mit dem Auto im Regen standen. Im Rennen ist die Gischt bei solchen Verhältnissen das größte Problem", thematisiert er eine Begleiterscheinung der regnerischen Verhältnisse. Und er weiß: "Wenn man von weiter hinten kommt, ist es schwierig, überhaupt etwas zu sehen."

Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel küsste im ersten Quali-Abschnitt die Mauer nach Kurve zehn und rutschte nur knapp als 15. in das Q2. Er konnte die Fahrt mit seinem Ferrari SF15-T wieder aufnehmen und platzierte sich am Ende auf dem fünften Rang - aber auch er wird aufgrund des Motorenwechsels zehn Plätze weiter hinten starten.

"Das war die richtige Entscheidung. Sie haben einen guten Job gemacht, das Q3 nicht zu starten", pflichtet der Deutsche seinen Kollegen gegenüber 'Sky Sports F1' bei. "Da war viel Wasser", vermeldet er weiter und äußert seinen Wunsch, nicht hinter dem Safety-Car starten zu wollen.

Start hinter dem Safety-Car wahrscheinlich

Lotus-Pilot Romain Grosjean, Rang 13 am Ende, ist da andere Meinung. Er wünscht sich "auf jeden Fall" einen Start hinter dem Safety-Car: "Da wird der Start schon hinter dem Safety-Car schwierig", glaubt der Franzose bei 'RTL'. "Es gab ein paar Runden, da war es ganz okay. In Q1 waren die Bedingungen okay, in Q2 war unheimlich viel stehendes Wasser auf der Strecke. Da war es auch schwierig auf der Geraden das Auto auf der Strecke zu halten. Der Wind war ziemlich stark, ein bisschen weniger stark als gestern. Das macht auch keinen Spaß, wenn du merkst, wie das Auto rutscht." Und auch er spricht das Problem mit der schlechten Sicht an: "Selbst wenn der Vordermann fünf Sekunden vorne war, konntest du nicht das Geringste sehen."

Teamkollege Pastor Maldonado, der ebenfalls Mühe hatte seinen Lotus auf der Strecke zu halten, glaubt, dass bereits die letzten Runden im Q2 zu gefährlich waren: "Es wurde immer schwieriger die Runden zu beenden. Wir wurden immer langsamer, weil wir damit beschäftigt waren, das Auto auf der Strecke zu halten", berichtet er bei 'Sky Sports F1'. "Das Auto ist in diesen Verhältnissen sehr schwierig zu fahren, hoffentlich bessern sich die Bedingungen, das könnte uns im Rennen helfen." Der Venezolaner hatte Probleme mit seinem Dienstwagen und beendete das Qualifying nur auf dem 15. Rang. Ähnliche Schwierigkeiten hatte auch McLaren-Pilot Jenson Button, der sich zwischen den Lotus-Piloten auf der 14. Position einreihte.

"Das war am Limit. Wir hatten viel Aquaplaning. In den schnellen Kurven, wie in Kurve elf, das war schon ziemlich beängstigend", schildert der Brite seine Eindrücke. "Auch wo Sainz abgeflogen ist. Das Problem ist, dass du keine Ahnung hast, bist du dort ankommst. Das ist sehr schwierig. Du weißt nicht, wann es (das Auto; Erg. d. Red.) ausbrechen wird. Das sind keine angemessenen Bedingungen, um zu fahren, weil man keine Kontrolle hat", resümiert der ebenfalls sehr erfahrene Pilot ähnlich wie Massa.

Jenson Button: "Das ist ein See!"

Außerdem berichtet er von Unstimmigkeiten in der Absprache mit seinem Team: "Es war viel zu nass. Das Team wollte, dass ich noch einmal pushe. Da habe ich gesagt: 'Ja, genau - das ist ein See!' Wir müssen auf die Sicherheit der Fahrer aufpassen. Es gab Momente, da war es okay, zum Beispiel am Ende von Q1. Aber durch Q2 hindurch wurde es viel zu nass. Es war richtig, Q3 abzusagen", schließt er sich dem Tenor der Piloten an.

Massas Teamkollege Valtteri Bottas hatte ebenfalls keinen einfachen Arbeitstag am Sonntagvormittag. Der Finne kam über die zwölfte Position nicht hinaus, und reihte sich somit noch hinter Fernando Alonso im McLaren ein. "Das war wirklich am Limit. Es war wirklich schwierig an einigen Stellen auf der Strecke mit ein paar kleinen Bächen hier und da. Das machte das Verhalten der Autos an manchen Stellen unvorhersehbar." Zusätzlich hatte der Williams-Pilot mit einem Bruch der hinteren Radaufhängung zu kämpfen, für das Rennen sollte das Problem aber gelöst sein, so Bottas.

Force-India-Pilot Nico Hülkenberg, der im dritten Freien Training am Samstag sensationell auf den dritten Rang gefahren war, hielt die Bedingungen am Sonntagvormittag ebenfalls für kritisch, wie er bei 'RTL' berichtet: "In der ersten Runde im Q2 hatte ich leider Aquaplaning, da hatte ich Glück, dass ich nirgendwo eingeschlagen bin und weiterfahren konnte." Dies hätte seine schnelle Runde werden sollen, erklärt der Emmericher, denn danach wurde der Regenschauer wieder stärker und eine Zeitenverbesserung war nicht mehr zu denken.

"Das ist schon bisschen eine Lotterie, aber das sind coole Bedingungen, die mir eigentlich sehr gut gefallen. Die Chancen stehen gut, dass wir hinter dem Safety-Car starten", hofft der Deutsche. Red-Bull-Pilot Daniil Kwjat konnte mit seiner Performance im texanischen Regen aufzeigen. Er wurde Vierter in Q2. "Es war vielleicht am Limit, aber eine unterhaltsame Session", resümiert der Russe bei 'Sky Sports F1'.

Er hofft auf eine Verbesserung der Bedingungen, denn "unter solchen Umständen kann man nicht wirklich ein Rennen fahren". Er findet auch Lob für die Veranstalter, die im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen hätten, denn sonst "würden wir uns ja nur noch drehen", meint Kwjat.

Der Grand Prix der USA in Austin, Texas, wird um 14 Uhr Ortszeit (20 Uhr MEZ) gestartet werden.

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