Rennvorschau Sepang: Schlüsselrennen für Nico Rosberg

, 25.03.2015

In Sepang sind die Verlierer des Saisonstarts gefordert: Gelingt Nico Rosberg der Befreiungsschlag? War Red Bulls Debakel ein Ausrutscher? Fährt Manor-Marussia?

Im Formel-1-Fahrerlager gilt die alte Regel: Der Saisonauftakt in Melbourne ist ein erster Gradmesser, was das Kräfteverhältnis des neuen Jahres angeht, wirklich aufschlussreich ist aber erst der Grand Prix von Malaysia in Sepang. Das liegt vor allem am Streckenlayout. "Im Park herumzufahren ist etwas anderes als auf einer richtigen Rennstrecke", bestätigt 'Sky'-Experte Marc Surer.

Der Sepang International Circuit, auf dem am Sonntag das zweite Saisonrennen stattfinden wird , ist bekannt dafür, Mensch und Material an seine Grenzen zu bringen. In den schnellen Kurven ist aerodynamischer Grip gefragt, auch die Antriebseinheiten sind auf den langen Geraden gefordert, die Kühlung wird einem Härtetest unterzogen. Durch den rauen Asphalt müssen die Boliden gut mit den Pirelli-Slicks haushalten. Und wer nicht fit ist, der wird in der malaysischen Tropenhitze seine liebe Not haben.

Ist daher mit einer Überraschung zu rechnen? Wohl kaum. Mercedes war in Australien dermaßen überlegen, dass die Silberpfeile auch nach Malaysia als haushoher Favorit anreisen. Die Frage ist eher: Kann Nico Rosberg den Erfolgslauf von Weltmeister Lewis Hamilton stoppen? Abgesehen von Austin 2014 triumphierte der Brite seit Monza Anfang September 2014 bei allen Grands Prix - das sind sieben Siege in den vergangenen acht Rennen.

Malaysia liegt Hamilton

Schafft es Rosberg nicht bald, das Ruder rumzureißen, dann ist die Rangordnung bei Mercedes auch für die Saison 2015 besiegelt, denn nicht jedes Jahr kann der Vizeweltmeister darauf hoffen, dass sein Stallrivale technische Probleme bekommt. Und dass Hamilton Malaysia liegt, das zeigt die Statistik: Im Vorjahr triumphierte der 30-Jährige nicht nur, er sicherte sich auch die Pole-Position und die Schnellste Rennrunde.

Im Jahr davor musste sich Rosberg hinter seinem Teamkollegen anstellen, der mit dem Spritverbrauch Probleme hatte, und wurde Vierter. Eine weitere bittere Pille, die der Wiesbadener in der Tropenhitze schlucken musste. Ein Sieg gegen Hamilton wäre eine späte Revanche für die damalige Demütigung, die Tendenz spricht aber für Hamilton.

Unsicherheitsfaktor Wetter

Doch Malaysia ist stets für eine Überraschung gut - das hat die Vergangenheit ebenfalls bewiesen: Ein urplötzlicher Tropenregen, der das halbe Feld von der Piste spült, ist nie auszuschließen. Laut dem Wetterbericht von Formel-1-Wetterdienst Ubimet muss man während des Qualifyings mit Regenschauern rechnen, auch während des Rennens könnte es vereinzelt regnen. Die Prognosen sind allerdings noch mit Vorsicht zu genießen, da das Wetter in Malaysia vor allem zu dieser Zeit sehr unberechenbar ist.

Dadurch könnte es auch von Vorteil sein, bei der Boxenstrategie konservativer zu agieren: Für die Piloten wäre es ein Horrorszenario, mit frischen Slicks auf die Strecke zu gehen, um nur wenige Runden darauf erneut die Boxen anzusteuern und auf Intermediates oder Regenreifen umzurüsten. Diese Gefahr besteht grundsätzlich auch bei Rennen mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Safety-Car-Phase, doch die hält sich mit 18 Prozent in Sepang eher in Grenzen. Auf dem Kurs, der von Hermann Tilke designt wurde, gibt es zwar immer wieder Zwischenfälle, doch die Strecke ist so breit, das die Boliden meist ohne Probleme geborgen werden können.

Zwei bis drei Stopps geplant

Geplant sind zwei oder drei Boxenstopps - im Vorjahr waren bei Hamilton drei Stopps der Weg zum Erfolg. "Es handelt sich um eine der rauesten Asphaltsorten des Jahres, und die schnellen Kurven beanspruchen die Pneus sehr stark", erklärt Motorsportchef Paul Hembery, warum Pirelli die Mischungen Medium und Hard nominiert hat.

Die Chance auf ein Überholmanöver bietet sich in Sepang am ehesten auf der Start-Ziel-Geraden und auf der Gegengeraden, die beide mit DRS-Zonen versehen sind. Das legendäre Duell zwischen den Red-Bull-Stallrivalen Sebastian Vettel und Mark Webber hat aber bewiesen, dass das Streckenlayout auch spektakuläre Zweikämpfe über mehrere Kurven zulässt.

Eine Schlacht könnten im heißumkämpften Verfolgerfeld toben. Der Saisonauftakt in Melbourne hat bereits einen kleinen Vorgeschmack gegeben, wie eng die Teams hinter Mercedes beisammen liegen: In Q2 waren der Siebte und der 15. nur durch sechs Zehntelsekunden getrennt. Unter diesen Umständen kommt der Kühlung der Antriebseinheit eine besondere Bedeutung zu: Die Turbo-Triebwerke reagieren sensibler als Saugmotoren auf die Temperatur - nur ein Grad weniger kann einen Unterschied von bis zu einer Zehntelsekunde ausmachen. Vor allem, wenn man rundenlang im Pulk fährt, drohen die Temperaturen außer Kontrolle zu geraten.

Red-Bull-Renault: War Melbourne ein einmaliger Ausrutscher?

Besonders Red Bull wird in Sepang im Fokus stehen: Das einstige Weltmeisterteam erlebte in Melbourne einen katastrophalen Saisonauftakt. Neben großen Zuverlässigkeitsproblemen war auch die Leistung schwach - Daniel Ricciardo kam über einen sechsten Platz nicht hinaus. Im Lager des österreichischen Teams mit Sitz in Milton Keynes beschwerte man sich vor allem über die miserable Fahrbarkeit der Renault-Antriebseinheit, die deutlich schlechter war als bei den Tests.

Die Franzosen setzten sich daraufhin zur Wehr und meinten, dass es auch dem RB11 an Stabilität im Heck mangle. Dass Toro Rosso dem A-Team in Australien auf den Fersen war, spricht für die Renault-Argumentation. Einsatzleiter Remi Taffin kündigt für Sepang nun einen völligen Neustart an: Die Probleme von Melbourne seien gelöst und man werde nun davon profitieren, dass man in der Winterpause aggressiv entwickelt hat. Gleichzeitig hatte man in Australien noch gemeint, man sei 2015 nicht in der Lage, aus eigener Kraft Rennen zu gewinnen.

Auch Red Bull sollte in Sepang nachlegen: Das neue Aerodynamik-Paket mit der kurzen Nase, das in Melbourne wegen des gescheiterten Crashtests nicht eingesetzt wurde, soll diesmal an den RB11 geschraubt werden. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, ob sich Red Bull diesmal auf Augenhöhe mit Williams und Ferrari befindet.

Verspäteter Saisonstart für Alonso, Bottas, Lotus und Manor-Marussia

Auch Lotus ist nach dem verpatzten Start in Australien noch ein Fragezeichen: Die Truppe aus Enstone erwies sich im Qualifying als durchaus konkurrenzfähig, kam aber im Rennen nicht über die erste Runde hinaus. Nicht einmal dafür reichte es für Williams-Pilot Valtteri Bottas, der nach seiner Rückenverletzung im Qualifying in der Box zuschauen musste. Er ist laut Angaben des Teams aber wieder fit.

Einen verspäteren Saisonauftakt gibt es auch für Fernando Alonso, der nach seinem mysteriösen Testcrash in Barcelona nun sein Comeback geben wird, wenn er alle FIA-Tests besteht. Obwohl man bei McLaren von den hervorragenden Kurvengeschwindigkeiten des McLaren-Boliden schwärmt, droht dem 34-Jährigen ein böses Erwachen: Die Honda-Antriebseinheit war in Melbourne gedrosselt unterwegs, um ein Überhitzen zu verhindern und um das Ziel zu erreichen. Das verheißt für die Hitzeschlacht in Sepang nichts Gutes.

Vermutlich wird es von Manor-Marussia abhängen, ob McLaren das Schlusslicht darstellt. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und die FIA haben dem vor kurzem noch insolventen Team nach der Farce von Australien die Rute ins Fenster gestellt: Wenn man erneut nicht auf die Strecke geht, dann droht dem Rennstall das Aus.

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