Sebastian Vettel sieht Mexiko-Strafe nicht ein

, 10.11.2016

Charlie Whiting erklärt in Brasilien anhand von Videobildern, warum Sebastian Vettel in Mexiko bestraft wurde - Dieser lässt sich davon allerdings nicht überzeugen

Auch zwei Wochen nach den Vorfällen im Autodromo Hermanos Rodriguez sind sich die Beteiligten noch immer nicht ganz einig: Renndirektor Charlie Whiting erklärt auf der Pressekonferenz beim Großen Preis von Brasilien anhand von Videobildern, wie es zu der Bestrafung von Sebastian Vettel gekommen ist. Daniel Ricciardo, der von der Bestrafung sowohl Verstappens als auch Vettels profitiert hat, stimmt im Großen und Ganzen zu. Vettel wiederum widerspricht beiden und bleibt bei seiner Version.

Kern der Zehn-Sekunden-Strafe gegen den viermaligen Weltmeister ist eine Regel, die beim Großen Preis von Mexiko 2016 zum ersten Mal angewendet worden ist. Dieser gingen lange Diskussionen über die Fahrweise von Max Verstappen voraus. Die neue Regel, die seit Mexiko-Stadt gilt, stellt Spurwechsel beim Bremsen unter Strafe, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1. wenn ein Fahrer in der Bremszone zum Ausweichen gezwungen wird,

2. wenn ein Fahrer die Richtung in der Bremszone auffällig ändert und

3. wenn es potenziell gefährlich für einen anderen Fahrer wird.

"Die Kommissare haben entschieden, dass Sebastian sich beim Bremsen (nach links; Anm. d. Red.) bewegt hat", sagt Whiting, der nicht direkt in den Entscheidungsprozess eingebunden war. "Das ging klar aus den Daten und den Bildern hervor. Es war potenziell gefährlich und ein unnormaler Spurwechsel, der zu einem Unfall hätte führen können."

Whiting sieht gefährliche Situation

Er wendet sich einem Bildschirm zu und zeigt Aufzeichnungen aus Mexiko: "Man kann klar sehen, dass beide Fahrzeuge sich zunächst recht weit links befinden, Sebastian dann (vor der Bremszone) nach rechts zieht und dann in der Bremszone wieder nach links fährt. Außerdem kann man deutlich sehen, dass Daniel ausweichen muss. Hätte Daniels rechter Vorderreifen den linken Hinterreifen Vettels berührt, dann wäre die Sache ganz klar anders ausgegangen." Tatsächlich kam es sogar zu einer minimalen Berührung der beiden Pirelli-Pneus, ein schwerer Unfall blieb jedoch aus, da nicht genug Kraft aufgebaut wurde.

"Es war eine potenziell gefährliche Situation", fährt der 64-Jährige fort. "Alle drei Bedingungen waren erfüllt, deshalb haben die Kommissare so entschieden." Dass Vettel gleich zehn Strafsekunden bekam und Verstappen für sein Abkürzen nur fünf, sei eine Tatsachenentscheidung der Kommissare gewesen. Sie zogen für gefährliches Fahren eine härtere Strafe heran als für Abkürzen mit Verschaffen eines Vorteils.

In seiner Video-Demonstration ließ Whiting ein bisher unveröffentlichtes Replay von der Situation in Mexiko aus einer frontalen Perspektive zeigen. In dem Video ist eindeutig zu sehen, wie Vettel zunächst innen die Tür offen lässt, Ricciardo dann aber graduell die Spur abschneidet, als der Bremsvorgang bereits eingeleitet ist. Das ist seit Austin ein Verstoß gegen die neu eingeführte "Verstappen-Regel", die ausgerechnet Vettel selbst mit am stärksten gefordert hatte.

Vettel beteuert: Alles fair

Vettel ist mit der Entscheidung trotzdem "nicht einverstanden. Ich habe mich einmal bewegt, um meine Position zu verteidigen. Danach habe ich Daniel ausreichend Raum auf der Innenseite gelassen und habe das Auto während des größten Teils des Bremsvorgangs gerade gehalten. Ich denke, der Grund, warum Daniel die Reifen so stark blockiert hat, ist die Tatsache, dass dort wenig Grip war. Auch in anderen Kurven gab es viele Verbremser, wenn die Fahrer neben der Ideallinie waren." Er glaubt auch nicht, seinen Fahrstil anpassen zu müssen.

Ricciardo widerspricht als Profiteur der Entscheidung natürlich nicht. Er verweist auf den schwierigen Balanceakt, dem ein Fahrer bei einem Angriff ohnehin ausgesetzt ist: "Es ist nicht so, dass man die Kontrolle verliert, aber man kann nicht mehr viel machen, sobald man auf der Bremse steht. Man kann den Angriff nicht mehr zurückziehen." Wenn dann der verteidigende Fahrer auch noch die Linie wechsele, könne es sehr gefährlich werden. Der Australier entschuldigt sich außerdem bei den Fans für das lange Warten nach dem Rennen. "Ich liebe hartes Racing, aber solche Dinge müssen thematisiert werden", stellt er klar.

Wie es zur Verstappen-Regel kam

Charlie Whiting nimmt nicht nur Stellung zum konkreten Manöver, sondern skizziert auch, warum es so lange gedauert hat, bis die Regel angewendet wurde. "In Ungarn gab es zwei Vorfälle zwischen Kimi (Räikkönen) und Max (Verstappen). Diese haben wir während der Fahrerbesprechung in Deutschland thematisiert. Und die Fahrer sind der Meinung gewesen, dass etwas wie das Rüberziehen beim Bremsen nicht tragbar sei. Wir sind derselben Meinung gewesen."

Trotzdem kam Verstappen beim Großen Preis von Japan wieder ungeschoren davon, als er Lewis Hamilton in der letzten Schikane in den Notausgang zwang. "Die Kommissare haben nach dem Rennen entschieden, dass es kein zugrundeliegendes Rechtsmittel gäbe, um ihn zu bestrafen. Das hat natürlich zu großen Diskussionen bei der Fahrerbesprechung in Austin geführt." Erst danach habe er eine Klarstellung herausgegeben, die dann beim Großen Preis von Mexiko erstmals implementiert wurde. Sehr zum Leidwesen Vettels.

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