Zerstört die Strafenflut die Formel 1?

, 25.06.2015

Das Strafensystem für die Nutzung der Antriebskomponenten sorgt in Reihen der Mercedes-Gegner für Kopfschütteln - Bernie Ecclestone leidet mit den Fans

Im Formel-1-Fahrerlager wird mehr und mehr Kritik laut an der Regel, wonach ein Formel-1-Pilot mit einer Rückversetzung um zehn Startplätze belegt wird, sobald er im Saisonverlauf ein fünftes Exemplar eines der sechs Antriebskomponenten (Verbrennungsmotor, Turbolader, MGU-H, MGU-K, Energiespeicher und Steuerelektronik) einsetzt.

Weil an den McLaren-Honda von Fernando Alonso und Jenson Button am Spielberg-Wochenende gleich von mehreren Komponenten das fünfte Exemplar eingebaut werden musste, wurden die beiden Ex-Weltmeister mit einer Rückversetzung um 25 Startplätze belegt. Für die Fans sind die Strafen wenig nachvollziehbar und auch in Reihen der Teams wird Kritik geübt - zumindest in den Lagern der Mercedes-Gegner, denn die Antriebseinheiten aus Brixworth laufen wie am Schnürchen.

Eric Boullier, Rennleiter bei Hondas "Werksteam" McLaren, fordert ein grundlegendes Überdenken der Regeln nicht erst jetzt: "Wenn man auf die Einführung der neuen Motoren vor einem Jahr zurückblickt, dann stellt man fest, dass sich die Hersteller auch nach mehr als dreijähriger Entwicklungszeit noch schwer tun. Deshalb sollten wir als Formel-1-Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt schon längst die Regeln überdacht haben."

Motorenreglement "wohl ein bisschen zu ambitioniert"

Boulliers Meinung nach eineinhalb Jahren der V6-Turbo-Hybrid-Ära: "Es war wohl ein bisschen zu ambitioniert, mit dieser Technologie aufzukreuzen und zu erwarten, dass sie zuverlässig ist". Während man dies im Lager von Mercedes ganz anders sieht, stimmt Red-Bull-Teamchef Christian Horner als Partner von Motorenhersteller Renault den Worten Boulliers zu.

"Wir wollten schon in Malaysia die Vier-Komponenten-Regel abschaffen, aber dann wurde das doch wieder erstickt", erinnert Horner an das diesbezügliche Treffen der Formel-1-Strategiegruppe und hält fest: "Die Situation ist nicht gut, wenn große Hersteller sich so präsentieren wie Renault und Honda derzeit."

"Das Beste, was wir machen könnten, wäre es, das Auto in der ersten Runde abzustellen und die Kilometer auf dem Motor einzusparen. Wir sind aber Bleifüße und wollen fahren", so Horner am Rande des Grand Prix von Österreich, der auch für die beiden Red-Bull-Piloten von Rückversetzungen in der Startaufstellung gekennzeichnet war.

Ecclestone leidet mit den Fans

Boullier merkt nachdenklich an: "Ich finde, man ist mit dem Strafensystem zu weit gegangen. Rennsport ist Wettbewerb. Wettbewerb zeichnet sich dadurch aus, dass es jedem erlaubt ist, sich weiterzuentwickeln, um besser zu werden. Man muss es weder für die Teams noch für die Fans komplizierter machen als notwendig."

So sieht es auch Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone: "Ich finde, mir müssen das gesamte Sportliche Reglement einmal genau unter die Lupe nehmen. Dort stehen Dinge geschrieben wie, dass man nicht über eine weiße Linie fahren darf, dass man dies und jenes nicht darf und dass man nach hinten versetzt wird, wenn man den Motor wechselt. Das verstehen die Fans nicht und wenn sie es nicht verstehen, dann interessiert es sie auch nicht."

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