WEC statt Formel E: Schlechtes Bild für die Elektroserie?

, 11.07.2017

Der Seriensieger fehlt bei der New-York-Premiere: Wirft die Abwesenheit von Sebastien Buemi ein schlechtes Bild auf die Formel E? - So sieht es die Konkurrenz

Sebastien Buemi drückte der dritten Formel-E-Saison bisher seinen Stempel auf. Der Fahrer von Renault e.dams gewann sechs von acht Rennen und führt komfortabel die Meisterschaft an. Am kommenden Wochenende wird der Schweizer bei der Premiere in New York allerdings fehlen. Buemi geht stattdessen für Toyota in der Langstrecken-WM (WEC) auf dem Nürburgring an den Start. Die richtige Entscheidung?

Aus sportlicher Sicht sorgt Buemis Abwesenheit im "Big Apple" (er wird von Piere Gasly vertreten) für Spannung. Abt-Pilot Lucas di Grassi könnte seinen Rückstand von 32 Punkten deutlich reduzieren oder sogar die Meisterschaftsführung übernehmen. Bei einem Rennen kann man maximal 29 Punkte (25 für den Sieg, drei für die Pole-Position, einen für die schnellste Rennrunde) sammeln. Da in New York und beim Saisonfinale in Montreal (Kanada) jeweils zwei Läufe ausgetragen werden, ist die Meisterschaft mit noch 116 zu vergebenden Punkten komplett offen.

Die besten Karten hat immer noch Buemi. Es stellt sich aber die Frage, ob es für das Ansehen der Formel E gut schlecht wäre, wenn der Meister (sollte es Buemi schaffen) nicht alle Rennen bestritten hat? Wie wären die Reaktionen, wenn die Formel-1-Stars Sebastian Vettel und Lewis Hamilton ein Rennen auslassen würden und stattdessen woanders fahren? Fernando Alonso machte das zwar mit Monaco/Indianapolis, aber der McLaren-Pilot fährt nicht um den Titel.

Gespaltene Meinungen über Buemis Abwesenheit

"Nein, natürlich nicht", antwortet Nick Heidfeld auf die Frage von 'Motorsport-Total.com', ob das für die Formel E gut wäre. "Es ist nicht gut für eine Serie, wenn ein Fahrer, der um den Titel kämpft, nicht bei allen Rennen dabei ist. Sebastien fährt auch in der WEC und dort um den Titel mit. Er kann sich halt nicht zweiteilen. Die Idee war es, dass man schaut, dass sich gerade die WEC und die Formel E nicht überschneiden, weil einige Fahrer beide Serien machen. Das hat man leider nicht geschafft."

Die Terminüberschneidung mit der Langstrecken-WM wird von vielen Beteiligten als nicht ideal eingeschätzt. Der Formel-E-Kalender für die vierte Saison 2017/18 ist bereits veröffentlicht. Eine Terminüberschneidung mit den 24 Stunden von Le Mans gibt es nicht. Der komplette WEC-Kalender ist noch nicht bekannt. WEC und Formel E bestreiten deutlich weniger Rennen als beispielsweise die Formel 1. Deswegen gibt es für Fahrer die Möglichkeiten, parallel in der anderen Serie zu starten.

"Es sieht aber auch nicht gut aus, wenn überhaupt Fahrer nicht alle Rennen fahren", findet Daniel Abt ein generelles Problem. "Wäre ich Hersteller oder jemand, der etwas zu sagen hat, dann würde ich es den Fahrern auch nicht erlauben", hat der Deutsche eine klare Meinung. Auch für Fans beziehungsweise neue Fans, die die Formel E für den Elektrorennsport begeistern will, ist es schwierig, wenn sich laufend das Fahrerfeld ändert. Im Titelkampf ist das noch problematischer, wenn plötzlich ein Kandidat fehlt.

Fahrer müssten eine Serie priorisieren

Deswegen sagt Abt klipp und klar: "Irgendwo muss man sich schon zu etwas bekennen und sagen: 'Das ist meine Priorität und dort fahre ich eine volle Saison.' - auch im Hinblick darauf, dass es viele junge Fahrer gibt, die Fahrerplätze suchen und auch ihren Lebensunterhalt mit Motorsport verdienen wollen. Und solche Fahrer nehmen dann doppelte Plätze ein. Das finde ich auf Dauer keine gute Lösung."

Lockerer sieht das Thema Antonio Felix da Costa, der parallel zur Formel E auch in der DTM an den Start gegangen ist. "Es ist egal", winkt er ab, dass Buemi in New York fehlen wird. "Er verdient die Meisterschaft in diesem Jahr. Er hat fast alle Rennen gewonnen. Es ist sogar gut für die Meisterschaft, wenn er nicht da ist, weil es dann etwas spannender wird." Da zum ersten Mal in New York gefahren wird, ist das Favoritenfeld weit offen.

Ein weiterer Vorwurf an Buemi lautet, er nimmt die Formel E nicht ernst und fährt lieber WEC, wo er auch noch WM-Chancen hat. "Ich bin mir sicher, dass er alle Rennen fahren würde", meint NextEV-Pilot Oliver Turvey. "Es ist eine unglückliche Überschneidung. Er fuhr schon woanders, als die Formel E begonnen hat. Vielleicht ist bei zukünftigen Fahrern die Formel E Priorität Nummer eins. Ich fuhr in den vergangenen beiden Jahren in Japan in der Super-GT. Es kommt darauf an, wo man als Fahrer seine Schwerpunkte setzt."

"Ich würde nicht sagen, dass er es nicht ernst nimmt", schlägt Turveys Teamchef Gerry Hughes in die gleiche Kerbe. "Natürlich wäre es schön, wenn auch wir oder andere Hersteller eine Chance auf den Titel hätten. Wenn er wieder gewinnt, dann hat er es verdient. Es ist unglücklich, dass sich die Kalender überschneiden." Ein prinzipielles Problem sieht Hughes nicht: "Wenn er nicht bei vielen Rennen dabei wäre und trotzdem Meister werden würde, dann müsste man die Anzahl unserer Veranstaltungen und das Punktesystem hinterfragen."

Für den neutralen Beobachter bleibt es auf alle Fälle spannend. Sollte di Grassi in New York zwei starke Ergebnisse holen, dann steht in Montreal ein offenes Finale auf dem Programm.

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