Experiment geglückt: WTCC zieht positives MAC3-Fazit

, 06.04.2016

Nach der ersten Austragung erntet das neue Team-Zeitfahren der WTCC positive Reaktionen - Start und ein konstantes Trio scheinen entscheidend zu sein

Wer neue Wege betritt, muss damit rechnen, unter Umständen zu scheitern. Und diese Sorge war vor der ersten Austragung des neuen Team-Zeitfahrens MAC3 auch im Fahrerlager der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) zu spüren. Nicht wenige Protagonisten hatten Zweifel, ob das für den Motorsport völlig neue, aus dem Radsport adaptierte Format ein Erfolg sein wird. Doch nach der Premiere des neuen Wettbewerbs wichen die skeptischen Mienen überwiegend positiven Reaktionen.

"Es war besser, als wir gedacht hatten, als diese Neuigkeit bekanntgegeben wurde", gibt Honda-Teamchef Alessandro Mariani unumwunden zu. WTCC-Rekordchampion Yvan Muller war von dem neuen Format nach der ersten Teilnahme ebenfalls angetan. "Es ist okay und nichts Dummes, und als Fahrer hat es Spaß gemacht."

Diese positiven Reaktionen waren auch für WTCC-Serienchef Francois Ribeiro eine gewisse Erleichterung. "Sofern mich nicht alle anlügen, finden es die Teams und Fahrer alle in Ordnung", stellte er am Sonntag zufrieden fest. Denn Ribeiro hatte für diese radikale Neuerung eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. "Als ich die Idee im vergangenen Mai vorgestellt habe, war ich der einzige, der daran geglaubt hat. Selbst meine eigenen Mitarbeiter waren sehr skeptisch und meinten, das sei zu riskant", so Ribeiro.

Drei konstante Fahrer sind wichtig

Doch der Serienchef konnte schließlich nicht nur seine eigenen Leute, sondern auch die Teams und die Verantwortlichen des Automobil-Weltverbands FIA überzeugen. Belohnt wurde er am vergangenen Samstag mit einer spannenden Premiere. Nach einer recht souveränen Vorstellung von Lada ging bei Honda gleich einmal der Start schief, und Citroen musste sich am Ende strecken, um die Zeit von Lada um gerade einmal 30 Tausendstelsekunden zu unterbieten.

"Es hat sich gezeigt, dass es mit drei Werksfahrern, die auf einem Niveau fahren, einfacher ist als bei Citroen, die sich auf ihre Kunden verlassen müssen", zieht Ribeiro eine Erkenntnis aus der MAC3-Premiere. Spannend wurde es beim Versuch des Citroen-Trios vor allem deshalb, weil SLR-Pilot Mehdi Bennani im Laufe der beiden Runden immer weiter hinter die beiden Werksfahrer Jose-Maria Lopez und Yvan Muller zurückfiel. "Wir haben von Zwischenzeit zu Zwischenzeit verloren, es war wirklich eng. Aber das macht MAC3 so interessant", meinte Citroen-Teamchef Yves Matton.

Eine weitere Erkenntnis aus MAC3: Der stehende Start, bei dem alle drei Fahrer nebeneinander losfahren, spielt bei dem kurzen Sprint über nur zwei Runden eine entscheidende Rolle. Das hatte Honda schon vor der Premiere in Le Castellet herausgefunden. "Wir haben bei den Tests einen Tag lang MAC3 simuliert und dabei direkt gemerkt, dass der Start der schwierigste Teil der Übung ist", sagt Teamchef Mariani.

Entscheidung kann bereits beim Start fallen

Das bestätigte sich prompt am Samstag. Rob Huff kam nur mit Verspätung von der Linie weg und konnte den Rückstand auf seine Teamkollegen Tiago Monteiro und Norbert Michelisz im Laufe der beiden Runden nicht mehr aufholen. Das sorgte am Kommandostand von Honda für rauchende Köpfe. "Selbst während MAC3 wurde an der Box noch darüber diskutiert", freut sich Serienchef Ribeiro. Denn der Funkverkehr zwischen der Box und den Honda-Piloten, bei dem darüber diskutiert wurde, ob die anderen beiden Fahrer auf Huff warten sollen oder nicht, war live im TV zu hören.

"Es kann schiefgehen, es ging schief, aber für die Show im TV war es wohl ganz gut", nimmt Honda-Teamchef Mariani das Missgeschick von Huff gelassen. "Wir werden nun schauen, wie groß die Lücke ohne den Windschatten war und werden die Daten unserer Konkurrenten bis zum nächsten Rennen analysieren."

So bot MAC3, zumindest bei der Premiere, ein zusätzliches Spannungselement und sorgte für positive Schlagzeilen - sehr zur Erleichterung von Ribeiro. "Das letzte was ich wollte, war etwas Neues einzuführen, das dann vom halben Fahrerlager abgewatscht wird, so wie das Formel-1-Qualifying", atmet der Serienchef auf.

Kein Shitstorm in den sozialen Medien

Denn nicht nur die Reaktionen innerhalb des Fahrerlagers, sondern auch von Seiten der Fans waren besser als im Vorfeld von ihm befürchtet. "Ich hatte erwartet, dass 50 Prozent sagen: Das ist dumm und völlig irrelevant. Aber ich habe nicht zu 50 Prozent Aggressivität gespürt", sagt Ribeiro. "Einige schrieben: Ich habe es vorher überhaupt nicht verstanden. Jetzt habe ich es gesehen und habe es verstanden. Wer den Radsport nicht verfolgt, für den ist das Konzept eines Team-Zeitfahrens nicht so leicht zu verstehen."

Allerdings kann das aktuelle Fazit nur als Zwischenbilanz gelten. Es bleibt abzuwarten, ob die Spannung erhalten bleibt, wenn die Teams nach einigen Rennwochenenden den Ablauf eingeübt und die beste Strategie herausgefunden haben. Sollte sich das Format allerdings langfristig bewähren, will Ribeiro wie schon ursprünglich geplant den sportlichen Wert von MAC3 erhöhen.

"Mir schwebten ursprünglich 25 Punkte vor, so viel wie in einem Rennen", verrät der Serienchef, kam damit aber nicht durch. "Letztlich haben die Hersteller und die FIA gesagt: Lass Francois sein Ding machen. Als Kompromiss, um es bei der FIA durchzukriegen, musste ich von 25 auf zehn Punkte runtergehen. Sollte es sportlich relevant sein und den Wert des Herstellertitels erhöhen, sollten wir im nächsten Jahr mehr Punkte vergeben."

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