WTCC-Eklat: Honda wirft Citroen unsportliches Verhalten vor

, 12.07.2015

Schleichfahrt statt Qualifying und Blockieren der Konkurrenten: Honda wirft Citroen in Vila Real unsportliches Verhalten vor, blitzt aber bei der Rennleitung ab

Es knistert im Fahrerlager der Tourenwagen-WM (WTCC). Denn nach dem Qualifying auf dem Stadtkurs in Vila Real hat Honda offiziell Protest gegen Citroen eingelegt. Der Grund: Die japanische Marke fühlte sich von der französischen Konkurrenz bei ihren schnellen Runden aufgehalten und witterte darüber hinaus unsportliches Verhalten beim Kampf um die Startplätze.

Entstanden war die Situation in Q2, nachdem sowohl Mehdi Bennani (SLR-Citroen) als auch Nestor Girolami (Nika-Honda) ihre Fahrzeuge nach Zwischenfällen und ohne Rundenzeiten abgestellt hatten. Damit nahmen nur noch zehn Autos am Zeittraining teil. Und das bedeutete: Wer auch immer die schlechteste Rundenzeit hinlegen würde, würde dank Platz zehn die Pole-Position für das zweite Rennen erhalten. So sehen es die Regeln der WTCC vor. Und schon begann das "Zocken" um den zehnten Platz - aber nur bei zwei Citroen-Fahrern.

Während acht Piloten, wie es sich für ein Zeittraining gehört, auf Zeitenjagd gingen, hielten sich Qing-Hua Ma und Yvan Muller sehr zurück und fuhren nur langsame Runden. Muller kreuzte die Ziellinie schließlich mit 2:39.871 Minuten, Ma kam erst nach 3:17.063 Minuten wieder bei Start und Ziel an. Der Rückstand auf die Spitze: 40,692 Sekunden beziehungsweise 1:17.884 Minuten. Muller und Ma hatten sich damit erfolgreich auf die Positionen neun und zehn geschlichen, was in den Augen von Konkurrent Honda nicht dem Geist des WTCC-Reglements entspricht.

Citroen-Fahrer Ma gibt zu: bewusstes Schleichen

Und Ma macht keinen Hehl daraus, dass seine "Schleichfahrt" kein Versehen oder gar technisch bedingt war, sondern pure Absicht: "Wir erkannten, dass es schwierig werden würde, in die Top 5 zu fahren. Daher nahmen wir uns Platz zehn als neues Ziel vor, um das Beste für die Startaufstellung des zweiten Rennens herauszuholen. Es ist niemals einfach, dergleichen in die Tat umzusetzen, weil die Abstände so gering sind. Es ist auch nicht einfach, sein eigenes Tempo so zu steuern, dass am Ende eine bestimmte Rundenzeit dabei herauskommt. Meine Ingenieure haben mir aber gute Ratschläge gegeben. Und alles lief genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten."

Mehr noch: Im Qualifying stand Muller auf seiner langsamen Runde unter anderem den beiden Honda-Werksfahrer Tiago Monteiro und Gabriele Tarquini im Weg, was mindestens für Irritationen, wahrscheinlich aber auch für Zeitverlust sorgte. Gründe genug für Honda, gegen dieses Vorgehen Protest einzulegen. Doch die Rennleitung schmetterte eben diesen ab und bezeichnete ihn als "nicht zulässig".

In der Urteilsbegründung wird es kurios: "Die Rundenzeit von Auto #68 (Muller; Anm. d. Red.) war ähnlich wie die Rundenzeiten von anderen Autos. Die Rennkommissare halten die Rundenzeit für nicht besonders langsam oder gefährlich für die anderen Teilnehmer." Zur Erinnerung: Muller war 37 Sekunden und im Durchschnitt 33 km/h langsamer als der achtplatzierte Fahrer. Damit stellte der Rekordchampion, wie in den TV-Bildern klar zu sehen war, sehr wohl eine rollende Schikane für seine Gegner dar - unter anderem für die Honda-Fahrer. Die Rennkommissare sehen das anders: "Auto #68 fuhr abseits der Ideallinie und behinderte die Fahrzeuge #2 (Tarquini) und #18 (Monteiro) nicht."

Die Rennleitung spricht Citroen frei

Kurios auch, dass Ma schon in Q1 einer Bestrafung entgangen war, obwohl er Tom Coronel (ROAL-Chevrolet) auf dessen schneller Runde aufgehalten hatte. Coronel schäumte, aber Ma war sich keiner Schuld bewusst. Anschließend kam es zum Wortgefecht . Und die Rennleitung gab Ma Recht. Obwohl die TV-Aufnahmen zeigen, dass Coronel in der zweiten Schikane zu Ma aufgeschlossen und den vor ihm fahrenden Citroen sogar berührt hat, habe Ma sich nicht falsch verhalten oder Coronel gar blockiert, meinen die Rennkommissare. Für eine ähnliche Situation mit Tarquini wurde Ma in der gleichen Session hingegen verwarnt.

Honda ist entsprechend aufgebracht und nicht gut auf Konkurrent Citroen zu sprechen. Citroen wiederum ist sich keiner Schuld bewusst und legt Honda vielmehr nahe, man möge die eigenen Hausaufgaben besser machen. Doch erledigt ist das Thema noch nicht: Beim nächsten Treffen der Tourenwagen-Kommission will Honda die "Schleichfahrt" im Qualifying nochmals thematisieren. An den Ergebnissen in Vila Real ändert das freilich nichts. Zurück bleibt nur ein fahler Beigeschmack. Denn im WTCC-Fahrerlager fragen sich nicht nur die Honda-Beteiligten: Hat WTCC-Dominator Citroen solche Spielchen wirklich nötig?

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