20 Jahre nach seinem Onkel: Auer gewinnt auf Hockenheimring

, 09.05.2017

Lucas Auer ist der erste Sieger der DTM 2017: Der Mercedes-Pilot darf sich nach 20 Jahre nach seinem Onkel Gerhard Berger in die Hockenheim-Siegerliste eintragen

Es ist ein Erfolg mit historischem Hintergrund: 20 Jahre nach dem letzten Formel-1-Sieg von Onkel Gerhard Berger beim Großen Preis von Deutschland am Hockenheimring feiert Lucas Auer an gleicher Stelle seinen zweiten Sieg in der DTM. Erinnern kann sich der Mercedes-Pilot an den Erfolg des neuen ITR-Vorsitzenden nicht mehr, "damals war ich zwei oder drei Jahre alt", so Auer. "Ich bin sehr glücklich, dass ich zusammen mit meinem Team heute das Maximum herausgeholt habe."

"Am Ende konnte ich die Räder nicht kontrollieren. Ich hatte keine Reifen mehr und musste trotzdem schnell fahren und meine Position verteidigen. Das war mit Abstand das schwierigste Rennen. Es hat einfach nicht aufgehört", erklärt der Sieger des ersten DTM-Laufs in Hockenheim.

Es war ein Start-Ziel-Sieg für den 22-Jährigen: Im ersten Qualifikationstraining der DTM-Saison 2017 sicherte sich der junge Tiroler die Pole-Position vor seinen erfahrenen Teamkollegen Gary Paffett und Edoardo Mortara. "Im Qualifying war meine Runde perfekt, anders kann man es nicht sagen", gibt Auer zu Protokoll.

Doch im Rennen musste er seine Führungsposition im harten Zweikampf gegen Timo Glock im BMW bis zur letzten Kurve verteidigen. "Mein Tempo im ersten Stint war unglaublich gut. Aber im zweiten Stint kam es anders", fasst der Österreicher das Rennen am Samstag zusammen.

Er ergänzt: "Ich wusste, dass die Reifen wohl nicht bis zu Schluss halten werden und dass ich, wenn ich Timos erste zwei Angriffe abwehren kann, eine Chance habe. Denn seine Reifen haben auch nachgelassen."

Auer: "Dann muss man halt ein bisschen anschieben..."

Auer legte sich eine Strategie zurecht, um die Attacken des gelben BMWs abzuwehren. "Du schaust in den Rückspiegel und überlegst: Wo fährst du schnell, wo musst du blockieren, wo musst du Abstand gewinnen. Wenn du das kannst, dann kannst du dich lange verteidigen. Das ist bei mir gut aufgegangen", sagt ein zufriedener Sieger.

Bis kurz vor Schluss ging es zwischen den beiden Fahrern an der Spitze heiß her: In der Spitzkehre touchierte Glock das Heck von Auers Mercedes, der dadurch etwas ins Schlingern kam. Doch von Vorwürfen an den BMW-Piloten für diese Aktion keine Spur. "Ich hätte das genauso gemacht, das ist die DTM", erzählt Auer. "Wenn dich einer nicht vorbeilässt, dann muss man halt ein bisschen anschieben, dass du den anderen aus der Ruhe bringst."

Er fügt hinzu: "Es war alles gut. Es war eine kluge Berührung. Ich hätte es auch so gemacht wie Timo und finde es okay. Ich war mitten in der Kurve und im ersten Moment hat er mir geholfen, das Auto um die Kurve zu drehen. Aber wenn du aufs Gas gehst, dann hast du keine Traktion mehr. Da habe ich aufpassen müssen, nicht, dass er innen vorbeikommt." Trotz Glocks Attacken und seinem DRS-Vorteil am Ende des Rennens reichte es für den ehemaligen Formel-1-Fahrer nicht, am Mercedes-Piloten vorbeizukommen.

Funkverbot sorgte für erschwerte Bedingungen im Zweikampf

Das in dieser Saison eingeführte Funkverbot sorgte für erschwerte Bedingungen im Kampf um den Rennsieg. "Ich hätte gerne gewusst, welche Rundenzeiten ich fahren muss, dass ich die Reifen lange am Leben halten kann", erklärt Auer. "Ohne Boxenfunk bist du auf dich alleine gestellt und musst alleine rausfinden, wo der Hintermann ist. Es war teilweise schon hart."

Auch die neuen weicheren Reifen bereiteten dem Führenden in der Meisterschaft zunächst etwas Kopfzerbrechen. "Es ist das erste Mal in meiner Karriere, das ich mit weichen Reifen fahre. In der Formel 3 und den Nachwuchsklassen hatten wir immer harte Reifen. Deswegen dachte ich, die DTM wird eine Herausforderung für mich mit den neuen Reifen", so Auer.

Die kalten Reifen beim Start seien nicht das Problem, "weil die Formationsrunde reicht grundsätzlich", um die Pneus auf Betriebstemperatur zu bekommen. "Ich bin am Start gut weggekommen", schildert er. Die Gummistücke der abgenutzten Reifen, die sich abseits der Ideallinie sammeln, schon eher: "Ich kam ein paar Mal von der Ideallinie ab und habe dabei etwas Pickup aufgesammelt. Bis du den Reifen wieder saubergefahren hast, das dauert ein halbes Rennen."

Auer ist Führender in der Meisterschaft

Ins zweite Rennen startete der Österreicher von Platz acht und verpasste mit Rang vier das Podium zwar knapp. Dennoch war er glücklich über seine Leistung: "Es war ein hartes Rennen. Nach dem Boxenstopp dachte ich, ich bin letzter. Aber ich war vierter, und darüber bin ich sehr happy."

Trotzdem ist er nach dem ersten Rennwochenende mit sich und dem Umgang mit dem schwarzen Gold zufrieden. "Bis jetzt kann ich sagen, dass ich mit den weichen Reifen umgehen kann, sonst hätte ich nicht gewonnen", sagt der Mercedes-Pilot.

Mit 40 Punkten im Gepäck und 14 Zählern Vorsprung auf die Verfolger Jamie Green und Gary Paffett reist Auer zur zweiten Runde der DTM auf dem Lausitzring (20./21. Mai) mit dem Ziel, die Führung in der Meisterschaft auszubauen.

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