Audi-Motorsportchef findet: "Die DTM ist ein geiles Produkt"

, 24.04.2017

Dieter Gass begrüßt die Veränderungen der DTM 2017 und findet, dass die Tourenwagenserie auf einem guten Weg ist: "Müssen positive Punkte hervorheben"

In knapp zwei Wochen schalten die Startampeln in der DTM 2017 wieder auf Grün. Im Vorfeld des Saisonauftakts in Hockenheim (5./6. Mai) gab es zahlreiche Änderungen, sowohl in technischer als auch in sportlicher Hinsicht. Audi-Motorsportchef Dieter Gass sprach mit 'Motorsport-Total.com' darüber, wie er die Veränderungen einschätzt und was er sich vom neuen Vorsitzenden der DTM-Dachorganisation ITR, Gerhard Berger, erhofft.

Dass die DTM in den vergangenen Jahren von sinkendem Zuschauerinteresse geplagt war, ist den Verantwortlichen der Tourenwagenserie bekannt. Und genau das soll sich 2017 ändern. "Ich glaube, wir haben uns oder die DTM hat sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich gut verkauft, sagt Gass.

"Die DTM ist in meinen Augen ein geiles Produkt und wir müssen dazu übergehen, die Stärken und die tollen Seiten dieses geilen Produktes zu verkaufen anstatt nur die ganze Zeit in der Öffentlichkeit über die Probleme zu reden", ergänzt der gebürtige Gießener. "Wir sollten uns wirklich darauf konzentrieren, die positiven Punkte mehr hervorzuheben."

Und da gibt es in seinen Augen viele. "Wenn man sich an die Rennstrecke stellt und die Autos anschaut, dann sieht man den Speed auf der Geraden. Und wie sie dann einlenken, das ist hammermäßig. Da sieht man mal richtig die Geschwindigkeit von den Autos", schwärmt der 54-Jährige. "Die Autos sind, obwohl sie in der Form jetzt nicht die Technologiewunder sind, ganz einfach geile Rennautos."

Pluspunkt für die DTM: Ausgeglichenheit und Unvorhersehbarkeit

Ein "unglaublich" ausgeglichenes Fahrerfeld, wie jenes in der DTM, ist für Gass ebenfalls ein Pluspunkt der DTM. Enge Zeitenabstände und Fahrfehler können ausschlaggebend sein, ob ein Pilot auf Platz eins oder elf über die Ziellinie fährt. "Ich sage den Leuten immer: Wenn ihr vorher wissen wollt, wie das Rennen ausgeht, dann guckt euch die Formel 1 an. Da ist es klar", sagt der ehemalige Formel-1-Chefingenieur.

Er ergänzt: "Wenn ich da, zumindest im vergangenen Jahr, meine Runde nicht zusammengebracht habe, dann war ich nicht Erster, sondern Zweiter. Wenn ich hier meine Runde nicht zusammenbekomme, da bin ich nicht Erster, da bin ich auf Platz 15. Diese Ausgeglichenheit und Unvorhersehbarkeit sind ein großer Pluspunkt."

Dass es in der DTM in dieser Saison zwei gleichlange Rennen geben wird, bei denen jeweils ein Pflichtboxenstopp absolviert werden muss, befürwortet der Sportchef von Audi: "Das finde ich gut. Ich persönlich fand die Samstagsrennen immer etwas langweilig, zu statisch." Beim Start hätten die Fahrer die einzige Möglichkeit gesehen, Positionen zu gewinnen und dabei oftmals zu viel riskiert. "Das haben wir Samstagnachts damit bezahlt, dass wir die Schrotthaufen zusammengekehrt und versucht haben, wieder ein Auto daraus zu machen."

Nicht aus Spaß an der Freude...

Das sollte sich laut Gass in diesem Jahr ändern: "Ein Rennen mit einem Boxenstopp bietet strategisch doch noch eine andere Möglichkeit, ein paar Plätze nach vorne zu kommen, wenn man ein schnelles Auto hat."

Ob die DTM durch die Veränderungen vor der Saison 2017 auf einem guten Weg ist, wird sich zeigen, so Gass: "Die Antwort wird der Zuschauer geben." Er ergänzt: "Wir machen die Änderungen ja nicht aus Spaß an der Freude oder weil es uns gut gefällt, sondern wir versuchen darauf zu reagieren, von dem wir glauben, dass es dem Zuschauer gefällt."

Im Fokus stehen dabei die Zuschauer an der Rennstrecke, denn die Fernsehzahlen alleine "sagen heutzutage nicht mehr viel aus". Er erklärt: "Natürlich werden die Fernsehzahlen noch eine gewisse Wichtigkeit haben. Aber es gibt so viele Verbreitungsmöglichkeiten, dass die Fernsehzahlen alleine keine Aussage liefern." Die Reaktionen und Resonanz der Fans an der Strecke seien dabei am einfachsten zu beobachten.

Gass: "Stehen vor einer echt geilen Saison"

Den Wechsel an der Spitze der ITR mit Gerhard Berger als neuem Vorsitzenden bewertet der Audi-Verantwortliche positiv: "Von dem, was ich bisher gesehen habe muss ich sagen, hat es mir super gut gefallen, wie Gerhard an die Sache rangeht. Er ist jemand, der überall hin eine super Vernetzung hat." Der ehemalige Formel-1-Fahrer sei die richtige Person, die Veränderungen und frischen Wind bringen könne.

"Das ist kein Seitenhieb gegen die Herren, die das bislang gemacht haben. Ich glaube, wenn es Herrn Aufrecht nicht gegeben hätte, dann hätte es keine DTM gegeben", erklärt Gass. "Manchmal tut ein frischer Wind gut und manchmal ist es an der Zeit, etwas zu verändern. Und ich glaube, der Zeitpunkt ist jetzt gekommen."

"Von dem was ich sehe, glaube ich wirklich, dass wir auf einem guten Weg sind und dass wir ein Superpotenzial haben. Wenn das vom Publikum angenommen wird, glaube ich, dass wir vor einer echt geilen Saison stehen", fasst er zusammen.

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