Unfälle in der DTM: Mehr Rennen, mehr Teile, höhere Kosten

, 13.05.2015

Vor allem der Samstagsrennen kann beim neuen DTM-Rennformat für Unfälle und Schäden sorgen: Was passiert, wenn Autos für Sonntag irreparabel beschädigt sind?

Das neue Rennformat der DTM sorgt nicht nur für mehr Fahrbetrieb auf der Rennstrecke, sondern soll den Fans in erster Linie mehr Action bieten. Auch wenn die Zuschauerzahlen vor Ort und vor dem Fernseher beim Saisonauftakt in Hockenheim auf dem Niveau des Vorjahres blieben, war im Fahrerlager zu vernehmen, dass das neue Format gut ankommt. Trotzdem bleiben noch einige Detailfragen offen. Vor allem die Reparaturpause nach dem Samstagsrennen ist kurz und stellt vor allem die Mechaniker vor große Herausforderungen.

Ersatzauto gibt es in der DTM nicht, der Bolide muss repariert werden. Das Beispiel Lucas Auer zeigt den Druck der Mechaniker. Im ersten Lauf wurde der Rookie in einen auf den ersten Blick harmlosen Unfall in der Spitzkehre verwickelt. Dennoch waren die Schäden an der Frontpartie des Mercedes so groß, dass die Mechaniker in die Nacht hinein arbeiten mussten. Drei Joker sind in einer Saison erlaubt, um die Sperrstunde straffrei umgehen zu können. ART zog für Auer bereits in Hockenheim einen Joker.

Das wirft einige Fragen auf: Was würde passieren, wenn es im Samstagsrennen eine Massenkarambolage gibt und mehrere Autos stark beschädigt sind? "Es hängt auch immer davon ab, wie viele Autos betroffen sind oder wie viele Teile wir kaputtfahren", meint Dieter Gass, der das DTM-Projekt von Audi leitet. "Einige Teile sind teuer und haben auch eine gewisse Lieferzeit. Um schneller reagieren zu können, haben wir versucht, uns bei den Baugruppen besser vorzubereiten."

"In der Vergangenheit stand schließlich nicht im Vordergrund, ein Auto schnell reparieren zu müssen. In jedem Fall wird der Gesamtteilebedarf für die Saison größer, weil wir samstags und sonntags fahren." Statt wie im Vorjahr zehn Einzelrennen werden in dieser Saison neun Wochenenden mit je zwei Läufen ausgetragen. 18 Rennen sind fast doppelt so viele wie in der Vergangenheit. Die Mannschaften von Audi, Mercedes und BMW sind gefragt. Auch die höheren Kosten sind ein Faktor.

Ersatzauto für alle zu teuer

Sollten ein oder mehrere Fahrzeuge für das Sonntagsrennen vor Ort nicht repariert werden können, müsste eine Lösung gefunden werden: "Ich glaube, wenn es so weit kommen würde, dass wir ein Chassis wechseln müssten, dann würden wir das anfragen", meint Gass und fügt den wichtigsten Punkt hinzu: "Es geht ja darum, 24 Autos am Start zu haben. Jeder wird sich bemühen, um das hinzukriegen. Im Ernstfall müsste man das also diskutieren."

"Ob man es zeitlich schafft, ist eine andere Frage. Dafür müsste ein Ersatzchassis griffbereit liegen. Das ist ein gewisser Aufwand. Und diese Diskussion muss man führen." Auch mit Blick auf die Sicherheit, die in der DTM sehr groß geschrieben wird, ist es besser, wenn ein Totalschaden nicht von unter Stress und Zeitdruck stehenden Mechanikern über Nacht zusammengebaut wird. Das betont auch der Audi-Leiter: "Ein sorgfältiger Aufbau in der Werkstatt ist etwas anderes, als ein Auto auf die Schnelle zusammenzuklopfen."

Ersatzautos wären laut Gass aber nicht die Lösung: "Wir wollen sicher nicht dahin kommen, dass jeder ein Ersatzauto mitbringt." Denn das würde die Kosten, die durch das ausgedehnte Rennformat etwas gestiegen sind, weiter in die Höhe treiben. "Wir erwarten höhere Kosten für die Ersatzteile", bestätigt Gass. "Logistisch betrachtet sparen wir etwas ein, weil wir eine Veranstaltung weniger bestreiten. Aber die einzelnen Veranstaltungen sind nun auch einen Tag länger. Man reist also einen Tag eher an. Die Kosten pro Veranstaltung steigen."

Höhere Kosten für die Ersatzteile werden auch wegen des neuen Formats einkalkuliert, denn im Samstagsrennen über 40 Minuten plus eine Runde gibt es keine Boxenstopps und kein taktisches Geplänkel. Es wird vom Start bis ins Ziel voll gefahren und es muss auf der Strecke überholt werden. Da es bei den engen Zeitabständen in der DTM zu Feindberührungen kommen kann, entspricht dem Rennsport. Trotzdem hofft Gass, dass die Saison nicht mit zu viel Schrott über die Bühne gehen wird: "Vielleicht täuschen wir uns auch und am Ende gibt es keine Schäden. Das würde ich begrüßen. Ich versuche aber zumindest, mich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten."

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